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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:28

Black Mountain: Wilderness Heart

16.09.2010

Eine musikalische Mupfel

Manche Rockbands planschen in melchancholisch-phlegmatischen Gewässern, während andere mit roher Gitarrengewalt dem Sanguistisch-Cholerischen hörig sind. Auf ihrem dritten Album Wilderness Heart schwanken Black Mountain zwischen diesen Extremen. Von DANIEL WÜLLNER

 

"Nicht Fisch, nicht Fleisch, was bin ich? Eine Mupfel" Wie ein unglückliches Mittelding, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will, präsentiert sich das dritte Studioalbum der Band Black Mountain. Aufgenommen in L.A. hat man versucht man die verschiedensten musikalischen Vorbilder auf Wilderness Heart einfließen zu lassen. Aber erst nachdem die Band sich ihrer eigenen Qualitäten bewusst geworden ist, wird das Album zu einem bewohnbaren Hörgenuss, einer Mupfel eben.

 

Dissonanzen

Wilderness Heart beginnt mit "The Hair Song" und "Old Fangs" zwar vielversprechend rockig, doch wollen beide Songs trotz der interessanten Duettpassagen und den leichten Verzerrungen nicht überzeugen. Neben der eingängigen Meldoie fehlen einfach die Ausbrüche aus den gewohnten Mustern, um wirkliches Interesse zu erwecken. Obwohl psychedelische Fäden das Album durchziehen, lässt sich ein Song wie "Wilderness Heart" am besten mit einem Amazon-Zitat beschreiben: "85% der Kunden, die diesen Track gehört haben, haben danach Wolfmother gekauft".

 

Sicher kann man Black Mountain nicht unterstellen, dass sie sich im musikalischen Supermarkt bedient haben, doch fehlt einfach die eigene Note, um das Album zusammenzuhalten. Das beste Beispiel dafür ist Trackliste: Nach dem psychedlischen Ausbruch lässt man das ganze Album etwas zu gewollt mit zwei ruhigen und verträumten Songs ("The Space of your Mind" und "Sadie") ausfaden.

 

Konsonanzen

Eine musikalische Bandbreite beweist man nicht dadurch, dass man möglichst viele verschiedene Stilrichtungen auf einem Album nebeneinander stellt, sondern indem man sie zu einer homogenen Masse verbindet, die Reihenfolge der Tracks mit Sinn anfüllt und die gewünschte Ambiguität auch mal in einzelnen Songs verpackt. Dies gelingt Bandleader Stephen McBean und Sängerin Amber Webber nur bei "Radaint Hearts" und bei "Rollercoaster". Beide Songs sind nun kein billiger Abklatsch eines White Stripes-Duetts mehr, sondern funktionieren eigenständig. "Radiant Hearts" ist eine wunderschöne, ungezwungene Ballade, die sich viel Zeit nimmt, um zur vollen Entfaltung zu kommen.

 

"Rollercoaster" brummt sprichwörtlich wie eine alte, hölzerne Achterbahn. McBeans Stimme grummelt erst langsam über die "R"s, lässt dann aber auch Webber genug Freiraum um miteinzustimmen, nur um anschließend mit ihr gemeinsam dem Wagen einen gehörigen Anschub zu verpassen. Plötzlich stimmen die Gitarrensoli, das Timing und auch die Lyrics ("You can't trade plastic for a nuclear bomb") fügen sich nahtlos ein, um Freude am Fahrgeschäft zu entfachen. Trotz erhöhter Geschwindigkeit gleicht die anschließende Abfahrt "Lets spirit ride" wieder den eher einfallslosen Kapriolen der anderen Songs auf Wilderness Heart.

 

Tourdaten:

20.09.2010 - Gebäude 9 (Köln)

21.09.2010 - Grünspan (Hamburg)

27.09.2010 - Festsaal Kreuzberg (Berlin)

28.09.2010 - 59:1 (München)


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