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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:28

Megafaun: Heretofore

16.09.2010

Frei wie ein Vogel

Die bärtigen Bruder Brad und Phil Cook und ihr Kumpane Joe Westerlund von Megafaun haben zwischen Gather, Form & Fly und ihrem angekündigten dritten Album kurzerhand noch das Minialbum Heretofore eingeschoben. Von DANIEL WÜLLNER

 

Hört man in der Welt der Musik heutzutage fast nur noch von überproduzierten Studioalben und Pressemaschinen, die aus Altbekanntem große Sensationen machen, ist es fast schon erfrischend, wenn sich ein Band trotz ihrer Arbeit mal eine Auszeit vom Business nimmt. Frei von allen Konventionen hat sich Megafaun dazu entschieden einfach mal sechs eigenwillige Folk-Songs auf ein kleines Album zu pressen und es dann Heretofore zu nennen.

 

Eine Öffentliche Jam-Session

Megafaun lädt auf Heretofore zu einer Jam-Session ein, bei der alle noch so kleinen, unbedeutenden Geräusche Teil ihrer folkigen Kurzgeschichten sind; Ob es nun das sachte Zupfen einer Gitarrensaite, das eingeschobene Klingen einer Triangel oder ein einsames Banjo ist. Auch die Länge der Songs widerspricht allen Regeln des Geschäfts: Während "Carolina Days" nur zwei Minuten und vierundvierzig Sekunden zum Fußwippen einlädt, ähnelt "Comprovisation for Connor Pass" eher einem zwölfeinhalb minütigen Sinnieren, einem Warten auf das was da noch kommen mag. Man spürt förmlich, wie die Musiker in einem Raum voller Instrumente sitzen, jedes prüfend zur Hand und langsam neue Passagen aus Kombinationen und Improvisationen erwachsen. Wenn Heretofore überhaupt eine übergeordnete Botschaft hat, dann wird sie lyrisch in dem Song "Eagle" folgendermaßen vermittelt: "You fly like an Eagle, you fly like you broke from your reign". Dem Markt angepasste Regeln sind hier jedenfalls keine mehr zu hören.

 

Herz aus Faun

Mit Mundharmonika, Banjo und einer Stimme, die wehmütig über die Vergangenheit reminisziert, erinnert die Ballade "Volunteers" stark an Neil Youngs Heart of Gold-Album. Die Textpassagen erwecken wunderschöne Bilder, die musikalisch ausgemalt werden: "Sunlight, silhouettes, and dogwood trees. Swayin’ all alone in the Carolina breeze. I ask for your hand and you ask for a plea. Tell me now girl, do I stay or do I leave ..." Megafaun stellen sich in keiner Weise über den guten alten Neil oder machen ihm gar seinen Platz streitig, vielmehr reihen sich gleichwertig neben ihm ein. Obwohl Heretofore keine große Studioproduktion ist, gelingt den drei Musiker neben einem wunderschön schwermütigem Album auch ein PR-Kunststück: Sie haben mit ihrem Minialbum die beste Werbung für Megafaun und ihr drittes Studioalbum gemacht.


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