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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:31

Takka Takka: Migration

18.09.2010

Weitermachen!

MIRJAM STUTZMANN entdeckt einen weiteren Hinhörer aus NYC.

 

Das Albumcover erinnert irgendwie an kindliche Pinseldrücktechnik. Der Bandname Takka Takka klingt nach Takka Tukka-Land bei Pippi Langstrumpf und überhaupt erwarte ich wohl wegen der genannten Assoziationen eher kindlich-Verspieltes. Und dann steht da geschrieben: New York Band mit Velvet Underground-Anleihen. Der Name Takka Takka steht dann auch nicht in Lindgrenschem Zusammenhang, sondern bezieht sich auf ein Gemälde von Roy Lichtenstein, das in dessen typisch comicähnlichen Malstil einen gerade abfeuernden Gewehrlauf zeigt. Soviel zu dem, was die Wirklichkeit der eigenen Erwartung entgegensetzt.

 

Auf dem Album „Migration“ tut sich ein minimalistisches, elektronisches Experimentierfeld auf, das die vier New Yorker Jungs zwölf Tracks lang beackern. Namentlich sind das Gabriel Levine (Gesang, Keyboard und Gitarre), Conrad Doucette (Percussion, Schlagzeug), Rene Planchon und Craig Montoro.

 

Geschrobbel und asiatischer Hauch

Das zweite Lied auf dem Album ist von Anfang an ein Hinhörer und das mehrmalige Hören tut dem ersten Gefühl keinen Abbruch. „Silence“ beginnt erst mit Synthie-Geschrobbel und löst sich schnell in klare Melodien auf. Getragen wird der Song von einem stur vor sich hin hämmernden Rhythmus. Immer wieder bauen die vier aus Brooklyn elektronische Spielereien ein und lösen sie in feinen Melodien wieder auf. Sehr tanzbar, zumindest das Kopfnicken lässt sich nicht vermeiden. Auch „The Takers“ ist ein Song, der auf Anhieb ins Ohr geht. Die Stimme von Gabriel Levine ist ein bisschen dünn, unterstreicht damit aber auch die Zartheit der Musik und sorgt für ein warmes Gefühl. Oft mischt sich in die leichten Melodien auch eine Prise Afro Musik. Bass und Rhythmus lösen sich immer wieder aus dem Hintergrund und übernehmen die Führung. Bei „Homebraker“ wird es dann fast schon funky, an anderen Stellen klingen die Gesänge asiatisch angehaucht.

 

Insgesamt ist das Album sehr minimalistisch angelegt. Es wird keine große Palette der unterschiedlichen Stimmungen abgearbeitet, die Lieder haben was Repetitives, fast schon Meditatives. Die CD eignet sich hervorragend, um sie in Dauerschleife als einen Soundteppich vor sich hinspielen zu lassen. Das Attribut „urbane Musik“, das im Zusammenhang mit Takka Takka immer wieder genannt wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Liegt aber vielleicht daran, dass „urbane“ Musik auch keine wirklich griffige Beschreibung für eine Musikrichtung ist. Wenn urban aber heißen soll, dass das Rezept dafür das Zusammenmischen verschiedenster Stilelemente ist und das Ergebnis dann unangestrengt und ganz selbstverständlich klingt, dann könnte es das tatsächlich sein. 

 

Produziert wurde die CD von Sean Greenhalgh, dem Schlagzeuger von Clap Your Hands Say Yeah. Auch sonst wurde die Band mit Bryan Devendorf von The National und Lee Sargent von Clap Your Hands Say Yeah bei diesem Album musikalisch prominent unterstützt. Als Vorband waren Takka Takka auch schon öfter bei deren Auftritten vertreten, was die Gastperformances auf dem Album erklärt und die Tatsache, dass Takka Takka schon eine ziemlich ansehnliche musikalische Visitenkarte haben. An guten Freunden aus der New Yorker Musikbranche mangelt es ihnen jedenfalls nicht. Mal sehen wie viele Freunde sie im November auf ihrer Deutschland Tour machen können. Da werden sie dann allerdings auf die prominenten Gastmusiker verzichten müssen.

 

Über Roy Lichtensteins Bild “Taka Taka” stehen übrigens die Worte „The exhausted soldiers, sleepless for five and six days at a time, always hungry for a decent chow, suffering from tropical fungus infection, kept fighting!” Eine Durchhalteparole, die uns sagen will: Takka Takka machen weiter. Insofern ist das zweite Album Migration vielleicht erst der Anfang.


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