Große Verdienste kommen sicher dem ganz speziellen Radiosender FM 4 zu, wenn es um die Frage geht, warum das relativ kleine Land Österreich so regelmäßig durchaus beachtliche Popmusik hervorbringt. Kulturförderprogramme spielen dabei, wie ich aufgrund häufig auf CD-Rückseiten zu sehenden Aufdrucken vermute, auch eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Und natürlich ermöglicht auch in der Alpenrepublik das Internet Beschleunigungen von Karrieren in einer Art, wie es vor einigen Jahren kaum denkbar war.
So auch bei ANNA F. Ihre musikalische Premiere vor Publikum, amateurhaft gefilmt im kleinen Wiener Szeneklub B72, fand auf einer Internet-Videoplattform enorme Beachtung. Während früher die Verwendung eines Songs für den Werbeclip einer Bank zu jedem Zeitpunkt einer Karriere für höhnische Kommentare gesorgt hätte, passiert so etwas nun (z.b. bei ANNA F.) sogar bevor überhaupt ein Song veröffentlicht ist. Nächster Hammer: Lenny Kravitz sieht den Soundcheck von Anna F´s Innsbruck-Gig und beschließt, sie für seine zwölf Konzerte umfassende Eurotour mitzunehmen!
Die 25-jährige muss eine besondere Ausstrahlung haben. Und genau das bestätigt alleine das Blättern durch das üppig bebilderte, 36 Seiten starke Booklet schon. Eine bildhübsche junge Dame, die sich nicht unnahbar gibt, sondern kumpelhaft mit jugendlich-unbekümmerter Geste aufzutreten scheint. Genauso unbekümmert kommt der Pop der Österreicherin trotz aller Professionalität daher. Nachdem sich die CD in ihrer Heimat lange in den Charts festsetzte, wird die Veröffentlichung im Ausland nun sicher weiter dafür sorgen, dass für die (Ex-?) Studentin mit Nebenambitionen Model, Sportjournalistin und Musikerin, die künftigen Prioritäten im Popgeschäft liegen werden. Radiotauglicher Pop mit eingängigen Refrains und geprägt von einer tollen Stimme. Mittelschnell bis balladesk, gerne mal mit Streichern. Auch die Liebe zur Gitarre scheint durch, Thank god I´m a woman erinnert dabei an Alanis Morissette, der Titel Jimmy Page spricht für sich. Gelungenes Popdebut des schwarzen Lockenkopfs aus der Steiermark, potentielle Popprinzessin von nebenan!