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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:31

Pop-Prinzessinnen von nebenan

20.09.2010

Krönung statt Dröhnung

Hübsche junge Frau mit Ausstrahlung und toller Stimme gesucht. Die Songs sollen auch überzeugen, und die Band nicht pure Staffage sein. Und trotz etwas Glamour wollen wir eine gewisse Nähe zum gemeinen (Fan-)Volk spüren. Wobei das „nebenan“ gerne auch regional interpretiert sein darf. Die Konkurrenz ist gnadenlos. Woche für Woche neue Namen. Doch eine Welt ohne regierenden King of Pop und mit abgehalfterten bzw. umstrittenen Queens der Gattung kann sich ja wenigstens viele Prinzessinnen gönnen. Eine Auswahl aktueller Kandidatinnen bietet TOM ASAM.

 

Große Verdienste kommen sicher dem ganz speziellen Radiosender FM 4 zu, wenn es um die Frage geht, warum das relativ kleine Land Österreich so regelmäßig durchaus beachtliche Popmusik hervorbringt. Kulturförderprogramme spielen dabei, wie ich aufgrund häufig auf CD-Rückseiten zu sehenden Aufdrucken vermute, auch eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Und natürlich ermöglicht auch in der Alpenrepublik das Internet Beschleunigungen von Karrieren in einer Art, wie es vor einigen Jahren kaum denkbar war.

 

So auch bei ANNA F. Ihre musikalische Premiere vor Publikum, amateurhaft gefilmt im kleinen Wiener Szeneklub B72, fand auf einer Internet-Videoplattform enorme Beachtung. Während früher die Verwendung eines Songs für den Werbeclip einer Bank zu jedem Zeitpunkt einer Karriere für höhnische Kommentare gesorgt hätte, passiert so etwas nun (z.b. bei ANNA F.) sogar bevor überhaupt ein Song veröffentlicht ist. Nächster Hammer: Lenny Kravitz sieht den Soundcheck von Anna F´s Innsbruck-Gig und beschließt, sie für seine zwölf Konzerte umfassende Eurotour mitzunehmen!

 

Die 25-jährige muss eine besondere Ausstrahlung haben. Und genau das bestätigt alleine das Blättern durch das üppig bebilderte, 36 Seiten starke Booklet schon. Eine bildhübsche junge Dame, die sich nicht unnahbar gibt, sondern kumpelhaft mit jugendlich-unbekümmerter Geste aufzutreten scheint. Genauso unbekümmert kommt der Pop der Österreicherin trotz aller Professionalität daher. Nachdem sich die CD in ihrer Heimat lange in den Charts festsetzte, wird die Veröffentlichung im Ausland nun sicher weiter dafür sorgen, dass für die (Ex-?) Studentin mit Nebenambitionen Model, Sportjournalistin und Musikerin, die künftigen Prioritäten im Popgeschäft liegen werden. Radiotauglicher Pop mit eingängigen Refrains und geprägt von einer tollen Stimme. Mittelschnell bis balladesk, gerne mal mit Streichern. Auch die Liebe zur Gitarre scheint durch, Thank god I´m a woman erinnert dabei an Alanis Morissette, der Titel Jimmy Page spricht für sich. Gelungenes Popdebut des schwarzen Lockenkopfs aus der Steiermark, potentielle Popprinzessin von nebenan!

 

Nach dem südlichen Nebenan schauen wir doch gleich zu den nördlichen Nachbarn. Und ja, natürlich haben die Dänen schon wieder das nächste Geschütz aufgefahren. Wobei die 32-Jährige Tina Dico in Dänemark längst etabliert ist und seit Jahren diverse Auszeichnungen einheimst. Welcome Back Colour ist eine Art Best of, bietet aber neben Highlights aus dem letzten Jahrzehnt auch neue Nummern inklusive einer Neuinterpretation eines Songs von Helgi Jonsson und dem Cover eines Song des phantastischen Teitur (beide mit Beteiligung der jeweiligen Sänger). Während CD1 welcome up betitelt auch für uptempo-Popnummern sorgt, zeigt Dico auf CD2 (welcome down), dass sie auch alleine mit einer akustischen Gitarre für tolle Ergebnisse sorgen kann. Ihre gefühlvoll vorgetragenen Songwriter-Stücke sind insgesamt sorgfältig und abwechslungsreich instrumentiert, alleine die Refrains schielen doch immer deutlich Richtung Massenkompatibilität. Aber Prinzessinnen sollen ja auch dem ganzen Volk gehören!

 

Cours Lapin ist eine Formation um die Komponistin Louise Alenius. Französischer Name, Französische Texte, aber auch diese Formation stammt aus Dänemark. Alenius und ihre Mitstreiter Asger Baden, Peder und Jonas Stuck komponieren normalerweise allesamt Filmmusik. Auf ihrem gemeinsamen, gleichnamigen Debut versuchen sie sich an französischem Chanson mit melancholischen Untertönen und fragil-mädchenhaftem, dahin gehauchtem Gesang. Das Cover zeigt Louise mit gesenktem Haupt und den Händen im Haar. Ruhig, verträumt, unauffällig hübsch, leicht im Dunkeln  - doch das Sonnenlicht ist auszumachen.

 

Das Bild steht für die musikalische Umsetzung. Wunderbar atmosphärisches Album, das sie am besten gleich mal an der Theke ihres Lieblings-Cafes abgeben, um bei akustischer Instrumentierung (einige dezente Elektronik-Elemente inklusive) das nächste Sonntagsbrunch bzw. den Cafe au lait und ihr Croissant zu genießen. Sehr schön, aber für die Pop-Prinzessinnen-Wahl dann doch zu zurückhaltend.

 

Da müssen wir doch mal weiter schauen: Schweden ist nie verlegen um Kandidatinnen für die nächste Krönung. Die blonde Schönheit Frederika Stahl schaut uns kokett mit ihren stahlblauen Augen an beweist auf ihrem Album, dass hinter der schönen Fassade auch jede Menge Talent steckt. Die 25-jährige wurde in ihrer Wahlheimat Frankreich mit ihren ersten beiden Alben als neuer Stern am Jazzhimmel gefeiert. Allerdings findet sie es nach wie vor schockierend, gefragt zu werden, ob sie nun eine Pop- oder eine Jazzsängerin sei. „Für mich ist das einfach Musik. Hauptsache, sie klingt gut.“

 

Tut sie! Die im Presseinfo genannten Vergleiche Emiliana Torrini und Regina Spektor kann man getrost zitieren, Sweep me away kann locker in dieser Liga mitpielen. Neben Frederikas phantastischer Stimme und ihrem Pianospiel hören wir instrumentale Unterstützung von Profis aus den Bereichen Jazz/ Funk. Natürlich ist auch das letztlich gefälliger Pop, aber eben großartig und subtil genug dargeboten! Vor der Full Band Tour Anfang nächsten Jahres kann man sich im Herbst auf der Unplugged-Tour schon mal ein Bild machen von dieser Dame, deren Name man noch öfter hören wird, da bin ich mir sicher!


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