Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 11:32

Seu Jorge & Almaz: Same

23.09.2010

Die Samba und andere Wahrheiten

Ein brasilianischer Musiker und Schauspieler interpretiert Lieblingssongs. Von TOM ASAM

 

Relativ große Bekanntheit erlangte Seu Jorge als Mane im überwiegend mit Laiendarstellern besetzten Favela-Epos City of God. Jorge (bürgerlich: Jorge Mario da Silva) war hierbei einer der wenigen Profis. Da er aber selbst in einer der Favelas von Rio aufwuchs konnte er in dieser grandiosen Produktion Lebenserfahrung und Schauspielkunst perfekt miteinander verbinden. Im Grunde seines Herzens ist er jedoch Musiker, und zwar einer der „die Wahrheit durch die Samba spricht.“ Bereits Mitte der 90er Jahre gründete er die Samba-Combo Farafa Carioca, die 1999 sogar ein Album ablieferte, das als bestes brasilianische Album des Jahres gefeiert wurde. Zwischen 2001 und 2007 spielte er vier Soloalben ein.

 

Tiefseetaucher mit musikalischen Perlen

Dem Film weiterhin treu (u.a. war er in Wes Andersons Tiefseetaucher zu sehen) lag es nahe, auch mal einen Filmmusik-Beitrag zu leisten. Beim Jamming für einen Song zu einem Salles-Film kam dann richtig Laune auf, und die beteiligten Musiker beschlossen, eine ganze Platte zusammen aufzunehmen. Das Ergebnis zeigt, das scheinbar alles, was dieser Mann anfasst von einer gewissen Qualität geprägt ist. Auf diesem Album sind ausschließlich Coverversionen verschiedensten Ursprungs zu finden. Passenderweise wird der Reigen eröffnet durch Errare humanum est, im Original auf einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1974 vom Wanderer zwischen den brasilianischen Musikstilen, Jorge Ben, zu finden. Ein weiteres Highlight aus dem unerschöpflichen Fundus brasilianischer Klassiker: Saudosa Bahia vom einzigen Album von Norice Vilela aus dem Jahre 1968.

 

Dann haben wir aber auch Songs wie everybody loves the sunshine von Roy Ayers. Und zwei Stücke aus der Feder des Briten Ron Temperton, der unsterblich wurde indem er drei Songs für Micheal Jacksons Thriller schrieb. Hier haben wir neben Rock with you (von Jackson´s Off the Wall) noch Cala boca, menino, ursprünglich gesungen von Joao Danato. Und die Mischung wird noch interessanter: Girl you move me stammt von den Rare-Groove-Funkmonstern Cane and Able aus Frankreich (1973). Und dann folgt tatsächlich noch eine Version von Kraftwerks Model. Wahrscheinlich haben hier einfach vier Musiker die Chance genutzt, persönliche Favoriten auf einem Alben zu versammeln. Leider erfahren wir (zumindest auf der mir vorliegenden Ausführung) nicht mehr zur Idee hinter dem Album und zu den Originalversionen.

 

Mehr Informationen hätte ich auch gerne gehabt zum zeitlos ästhetischen Coverartwork. Aber sonst gibt es nichts zu meckern. Den Interpretationen ist eine gewisse Atmosphäre gemein, die sich zwischen einer gewissen Wärme einerseits und einem Hang zum Melancholischen andererseits bewegt. Die relativ schnörkellos interpretierten Stücke kommen kompakt und wirken auch bei gelegentlichen psychedelischen Anklängen nicht überladen.


Flattr this


 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...