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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:32

Georg Breinschmid: Brein´s World

23.09.2010

The return of Wunderwuzzi

Ein Wanderer zwischen den Welten mit einem abendfüllenden Doppelpack, das seine Liebe zum Leben und zur Musik unter Beweis stellt. Jazz und Wienerlied und noch viel mehr. Von TOM ASAM

 

Georg Breinschmid studierte Kontrabass und schlug eine im wahrsten Sinne des Wortes  „klassische“ Karriere ein. Doch die geordnete, bürokratische-konservative Welt der Philharmonie ist für „vielsaitig“ interessierte Individualisten vermutlich dauerhaft schwer zu verkraften. Einer Abkehr von der reinen Klassik folgte das Eintauchen in die Welt des Jazz (u.a. Vienna Art Orchestra) und das Treffen auf Genregrößen wie Archie Shepp. Doch wie das Cover schön verdeutlicht gibt es jede Menge weiterer Einflüsse, die in Brein´s Welt eine Rolle spielen. Unter anderem finden sich in seinem Hirn auch die Areale Wienerlied, Folk, Balkan, Rock oder Kabarett. Ob die Assoziationskette Wayne´s World (Musikklamotte aus den 90ern) – Brain´s World - Brein´s World gewollt ist, weiß ich nicht. Falls ja, wäre es interessant ob eher deshalb, weil der Wiener Brain wie Brein ausspricht oder weil amerikanische Kollegen von Wunderwuzzi (so sein Spitzname) seinen Nachnamen Brein umgekehrt wie Brain aussprechen!

 

Vom Kaffeehaus in die Welt hinaus

Brein verbindet also auf seinen Solowerken Jazz mit Wienerlied, alpenländische Traditionen mit Rap oder Blues. So groß die Welt der Musik auch sein mag, eine Stärke Breins ist es, bei seinem Brückenschlag zwischen diversen Stilen regionale Codes nicht zu vernachlässigen. Seine Stücke bleiben immer geprägt von einer unverstellt eigenen Art und einem mehr oder weniger subtilen Humor, den Genrepuristen vielleicht nicht unbedingt als Beiwerk zu instrumentaler Perfektion erwarten. Auf den beiden bis zum Bersten vollen CDs kommt am häufigsten sein Hauptprojekt „Brein´s Cafe“ mit den Brüdern Janoska aus Bratislava zum Zuge, verstärkt durch Trompeten-Spezi Thomas Gansch.

 

Sie bringen frischen Wind in den Radetzkymarsch, beschleunigen den Jazz in den fünften Gang bzw. in den 5/4 Takt und lassen in einer Stalking-Story mit Schmäh das „Schnucki von Heanois“ von der Leine. Neben dieser Kaffeehaus-Stammbesetzung spielt Brein auch in diversen anderen Konstellationen mit versierten Musikern zusammen. Und springt dabei vom Soul-Jazz zum eher selten ausgeleuchteten Hinterhof zwischen Klassik, Jazz und Wienerlied. Diese Nische jenseits der Vorzeigefronten ist natürlich getränkt vom Wiener Charme, beweist aber gleichzeitig eine musikalische und textliche Offenheit, die den Gedanken an Provinzialität erst gar nicht aufkommen lässt.

 

 

Vielmehr ist es ein gleichzeitig kritischer wie liebevoll-sentimentaler Blick auf die Heimat, der eine Verbundenheit mit der Welt erst ermöglicht. Das Oszillieren zwischen Weggehen und Dableiben, zwischen Früher und Jetzt, Diesseits und Jenseits zeigt sich vortrefflich im „Computer-Wienerlied.“ Den Zeitgeist zwischen Panik und Verblödung thematisiert der „Flugzeugderorist“, in dem der „Fundamentalkatholik“ einen Anschlag mit „Mentadent C“ plant. Beim vermeintlich letzten Stück, sinnhafter Weise „Ma muass aufhean wanns am scheenstn is! betitelt, zeigt sich Brein´s Verschränkung von philosophischer Einsicht und liebevoller Eigensinnigkeit. Er lässt nämlich drei Bonus-Tracks folgen, um auch noch die 150-Minutengrenze zu sprengen. Die beiden Booklets sind mit Texten, Illustrationen und persönlichen Kommentaren derart gespickt, das bei allem Umfang doch eher kleine Schriftgrößen zum Einsatz kommen mussten. Brein, da brauchsd a Bruin! Egal, hier ist der Kunde und Hörer in jeglicher Hinsicht König!


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