Postgothische Naturmetaphorik
Die Sängerin hat ihre dunkle Gothic-Phase fast hinter sich gelassen und wird nun von ihrem Co-Musiker und Produzent Rex John Shelverton begleitet. Auf seinen sphärischen Klängen treibend, singt sie von Gesteinsformationen, vom Sonnenaufgang und von Winterchören. Anstatt die normale Route des Pop zu benutzen und sich auf dem Wühltisch bei den billigen Gefühlen zu bedienen, wählen Tamaryn den Umweg über metaphorisch verträumte Naturbilder, um emotionale Stimmungen zu umschreiben.
Tief am Meeresgrund sind diese Gefühle verborgen, die Tamaryn langsam an die Meeresoberfläche bringen. Was in "Winter Choirs" zum Vorschein kommt, hört sich schwermütig und trauerbefleckt an. Selbst der Sonnenaufgang in "Dawning" klingt nicht wirklich hoffnungsvoll an. In "Haze Interior" bremsen Tamaryn diese Beschreibung der Natur langsam ab. Dabei kommt die Stimme der Sängerin selbst fast zum Stillstand. The Waves beschwört die Melancholie der Achtziger wieder herauf und findet gleichzeitig einen Weg, diese Grundstimmung mit ganz eigenen Bildern auszumalen.

