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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:33

Ben Folds/Nick Hornby: Lonely Avenue

05.10.2010

Geschichtenerzähler unter sich

Auf der Kollaboration Lonely Avenue erzählt Autor Nick Hornby Geschichten, die von Ben Folds so umgeformt wurden, dass sie noch direkter ins Ohr gehen. Eine überaus gelungene Arbeitsteilung. Von DANIEL WÜLLNER

 

Normalerweise schreibt Ben Folds die Texte für seine Lieder selbst, nuschelt sie beim Aufnehmen vor sich hin und versteckt sie vor seinen Bandkollegen. Jetzt hat er ein Album aufgenommen, bei dem er ganz Musiker sein kann, denn die Lyrics hat der britische Autor Nick Hornby (High Fidelity, Long way down) geschrieben.

 

Wie eine gute Beziehung

Lonely Avenue vermischt die Stärken zweier Künstler, lässt sie für den Moment des kreativen Prozesses zu einem Paar werden, das sich gegenseitig Geschichten erzählt. Wie in einer guten Beziehung übernimmt jeder mal die Kontrolle, führt den anderen, räumt ihm Platz ein, lässt ihn gut aussehen, nur um sich dann vom Gegenüber auch mal auffangen zu lassen, wenn man keine Kraft mehr hat. Folds und Hornby beweisen, dass ihr Interesse an der Arbeit des anderen nicht vorgetäuscht ist, da jeder von beiden der Arbeit des anderen künstlerisch entgegenkommt - und das hört man auch in ihren Songs.

 

Wie zwei junge Hunde

Ein Facebook-Chat zwischen zwei Männern: Der eine hat gerade was auf der Facebook-Seite von Levi Johnston gesehen, dem beinahe Schwiegersohn von Sarah Palin, und erzählt seinem Kumpel davon. „Levi Johnston's Blues“ ist das Produkt einer solchen Unterhaltung, die sich köstlich schwarz über Mediengeilheit, Verlogenheit von Politikern und die amerikanische Moral lustig macht und das Ganze in süffisanten Pop aus der naiven Ego-Perspektive von Levi verpackt. Das Grinsen von Hornby und Folds beim Anblick von Johnstons Facebook-Seite, die Teil des Chorus geworden ist, muss sich jeder selber vorstellen: „I'm a fuckin' redneck, I live to hang out with the boys / Play some hockey, do some finshing, kill some moose“.

 

An anderer Stelle schreibt Hornby Folds von einem Buch, das auf seinem Nachttisch liegt. Folds komponiert anschließend zu Hornbys Ode auf „Saskia Hamilton“ frenetische Melodien, um dem Namen und seiner Trägerin gleichsam musikalisch zu huldigen. Ihre kreativen Energien beflügeln sich gegenseitig.

 

Wie ein altes Pärchen

Aber die beiden können auch gemeinsam eine Geschichte erzählen. Als würden sie sich bereits Jahrzehnte kennen, liegen ihre Arme nebeneinander auf einem weichen Kissen über dem Fensterbrett. So schauen die beiden von oben dabei zu, wie sich zwei Seelenverwandte stets verpassen. In „From Above“ hat man das Gefühl, dass Hornby und Folds, die selbe Geschichte mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln erzählen: Gleichsam verliebt und desillusioniert, genauso enttäuscht und doch hoffend heißt es am Ende: „Maybe that's how books get wirtten / maybe that's why songs get sung“.

 

Einziger Wermutstropfen: Der gelunge Teaser "Things you think" bei dem die Band Pomplamoose zu Besuch bei Hornby und Folds war, ist nicht auf dem Album vertreten. Wahrscheinlich mehr eine gesungene Einladung diese Musiker direkt zu unterstützen.


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