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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:33

Quadro Nuevo: Grand Voyage

30.09.2010

Baedeker statt Backpacker

Routiniertes Quartett mit allzu perfektem Sound zwischen Jazz und Weltmusik. Von TOM ASAM

 

Diese Band hat seit 1996 zahlreiche Alben veröffentlicht, noch mehr Preise verliehen bekommen und ist – dem Titel ihres neuen Werkes gerecht – eigentlich ständig auf Achse. Auf mehr als 2500 Konzerte kann das Quartett bereits zurückblicken! Folgerichtig nahm man diesmal die einzelnen Stücke gleich unterwegs auf, um die Stimmung des jeweiligen Ortes besser zu konservieren - so zumindest die Absicht. Die große Reise führte von Istanbul nach Portugal, von der Ukraine über die Alpen bis nach Korsika, von Ungarn nach Amerika. Die Songs kamen über einen Zeitraum von drei Jahren zustande.

 

Kopfreise

Einschneidendstes Vorkommnis dieser Reise war ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem der langjährige Gitarrist Robert Wolf so schwer verletzt wurde, dass er bis heute nicht in der Lage ist, sein Instrument weiter zu spielen. Dieses tragische Ereignis sorgte dafür, dass mit Evelyn Huber nun eine virtuose Harfinistin neue Farbtupfen in das Klangbild des eingespielten Ensembles bringt. Die früher eher italophile Truppe bringt, der grand voyage geschuldet, diesmal vielfältigere Einflüsse denn je in ihrem stets homogen wirkenden Sound unter.

 

Die instrumentale Perfektion und das Zusammenspiel sind über jeden Zweifel erhaben. Wer hier allerdings darauf hofft, dass sich das raue Klima der Krim-Halbinsel oder das Feuer osteuropäischer Folklore widerspiegeln, sei gewarnt: Quadro Nuevo liefern routiniertes, perfekt arrangiertes und produziertes, melodieverliebtes Liedgut für Sofa und bestuhltes Konzert. Gerade bei dieser Entstehungsgeschichte hätte man sich dieses Album durchaus direkter und lebhafter vorstellen können. Man spürt hier nichts vom Dreck der Straße und hat den Eindruck, die große Reise hätte – bei aller Schönheit - nur im Kopf stattgefunden.


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