Keine Ahnung, was ein fliegender Lotus (oder Lotos?) in diesem Falle sein soll. Man weiß aber, wer hinter dem schönen Namen steckt: Steve Ellison, ein kalifornischer DJ und Produzent, der Hip Hop mit Zutaten aus elektronischer Musik und Jazz fusioniert und dabei schon einige Zeit die Begeisterung der Kritiker auf seiner Seite hat. Dieses Jahr erschien bereits sein drittes, Cosmogramma betiteltes Album. Cosmagramma soll der von Ellisons (Groß-)Tante Alice Coltrane vernuschelten Aussprache von Cosmic Drama geschuldet sein, und laut Lotus die Lehre der Kartierung des Universums bezeichnen.
Alice Coltrane war übrigens Jazzerin und die zweite Ehefrau der Jazzlegende John Coltrane. Bei dieser Familienkonstellation verwundert es nicht weiter, dass der Kalifornier seinen Versuch, Hip Hop zu erneuern, unter anderem mit der Aura des freigeistigen Jazz verbindet. Doch während Cosmogramma mit seinen gleichzeitig sphärischen wie abstrakten Beats Vergleiche mit Sun Ra und Pharao Sanders auf sich zog, ist Flying Lotus mit dieser EP soundtechnisch schon wieder woanders zu orten, in den Weiten zwischen Himmel und Hölle. Ellisons Cosmic Drama begann wohl ursprünglich mit einer Begeisterung für Gangsterrap und heißen Hip Hop-Shit aus dem Schmelztigel L.A., seine Vorstöße in immer wieder neue Soundkosmen bricht er nicht ab.