Ein musikalischer Scherz
Im Gegensatz zu dem Herrn im weißen Anzug sieht sich Krygier – nachdem ihm die metaphorischen Holzhämmer abgenommen wurden – sofort nach einem neuen Instrument um, auf dem er den Song fortsetzen kann. Als studierter Musiker (Piano und Flöte) muss Krygier sich nicht hinter den elektronischen Quietsch- und Brüllgeräuschen verstecken und greift für Pesebre gleich auf ein ganzes Instrumentarium zurück: Neben seinem Gesang hört man ihn an Keyboards, Akkordeon, Bass, Saxophon und Klarinette. Krygier beweist ein unglaubliches Gespür für Timing, er scheint intuitiv zu wissen, wie er den Song weiterlaufen lassen will.
Verbunden wird dieses Sammelsurium an Instrumenten durch Anlehnungen an die Cumbia oder auch mal durch eine angestimmte Polka, die aber gerade als sie sich voll entfaltet, wieder bei Seite gelegt wird, um etwas Neues anzufangen. Krygier spielt eine musikalische Schnitzeljagd ("Serpentea el tren"), sodass ihn niemand auf eine Stilrichtung oder ein Genre festlegen kann. Mit Sicherheit handelt es sich nicht mehr um Weltmusik, sondern viel mehr um einen musikalischen Scherz, eine Parodie der Weltmusik. Baut Krygier seine Songs erst relativ traditionell auf, beginnt er zum Beispiel mit einem Bolero, schleichen sich schnell musikalischen Albernheiten ein oder es tauchen populäre Figuren wie Calimero auf. Durch die Geschwindigkeit der Wechsel zwischen Ernsthaftem und Spaßigem kommt beim Zuhören nie Langeweile auf. Am Ende bleibt nur die Frage, wie lange man sich an der argentinischen Mäuseorgel erfreuen kann, bis man wieder etwas mit durchgängiger Struktur suchen wird. Ich kann mir den Monty Python-Sketch jedenfalls unglaublich oft ansehen.

