Wer auf der Suche nach exotischer Musik ist oder jemanden beschenken möchte, der schon alle Album-Klassiker sämtlicher Bestenlisten abgehakt hat, könnte hier fündig werden. Chica ist ursprünglich die Bezeichnung für ein aus fermentiertem Mais gewonnenes Alkoholgetränk. In den 70ern wurde die Chica aber immer häufiger synonym für überwiegend in Armenvierteln verbreitete Version der Cumbia – Musik zu einem Paartanz, dessen Heimat ursprünglich die Karibikküste Kolumbiens ist. Das Wort Chica wurde auch mehr und mehr zum Adjektiv, man spricht von chica Kultur oder chica Architektur, oftmals nicht unbedingt positiv konnotiert. Die peruanische Cumba, Ende der 60er quasi von Enrique Delgado und seiner Band Los Destellos im Alleingang populär gemacht, war zunächst willkommener Partyspaß für alle Bevölkerungsschichten, verkam aber nach und nach zum Synonym für den Sound der Slums. Die Erfolge der in Brooklyn beheimateten Band Chica Libre und der erste Teil der Roots of Chica Compilation sind sicher mit „Schuld“ daran, dass diese Art tropischer Rhythmen wieder breiteren Zuspruch gewinnt.
Wie klingt denn nun Psychedelischer Cumbia made in Peru aus den Jahren 1967 bis 1981? Die elektrische Gitarre spielt in der Regel die größte Rolle als melodietragendes Instrument, zum klassischen Cumbia-Rhythmus gesellen sich verschiedenste weitere Elemente, wie Folklore-Zitate aus Kuba, Psychedelic Rock, Boogaloo, Surf, Klassik...- eine ähnlich freigeistige Zitaten-Melange wie bei Bollywood-Soundtrackklassikern. Und natürlich ohne dass die Musiker das Ergebnis als Melange benannt, als Weltmusik bezeichnet oder von Postmoderne gesprochen hätten. Hier gibt es auf 16 Tracks vieles zu entdecken von Bands die niemanden, der soweit gelesen hat, etwas sagen dürften. Ein spannendes Kapitel Kulturgeschichte, begleitet von einem liebevoll gestalteten Booklet samt den nötigen Informationen und wirklich tollen Photos. Im Gegensatz zum ersten Teil liegt das Hauptaugenmerk bei Teil 2 auf der eher urbanen Ausrichtung von Chicha.

