Schlichtweg gut
Großes Verdienst hat sich Bear Familiy Records vor allem durch das kaum in Stunden und vor allem kaum in Stundenlohn zu messende Ausgraben mehr oder weniger vergessener Musiker und Bands erworben. Neben Richard Weize himself wühlen sich zahlreiche enthusiastische Unterstützer aus Europa und den USA durch Archive, um nach Möglichkeit Künstlern wie Fans gerecht zu werden. Die Box-Sets enthalten dabei neben der Musik akribisch recherchierte Begleitbücher im LP-Format, nicht nur vom Inhalt her gewichtige Werke.
Bear Familiy Records besetzt mit diesem Programm eine schrullige aber wohltuende Gegenposition zu Downloadwahnsinn und musikalischer Schnelllebigkeit. Viel Geld ist damit selbstredend nicht zu machen, aber darauf kommt es den Familienmitgliedern und ihrem Oberhaupt nicht an, reichen muss es halt. So sind sie immer auch auf die Unterstützung von allerlei Beteiligten, nicht zuletzt aus der Musikindustrie, angewiesen um ihre Projekte überhaupt umzusetzen zu können. Und tatsächlich ist das Renomée des Labels so groß, dass alle auf den drei Jubiläums-CDs vertretenen Künstler und Künstlerinnen exklusiv dafür Songs aufgenommen und selbst finanziert haben.
Zusammen ergibt das 68 Songs und, wie könnte es anders sein, durchwegs mit Bärenthematik. Vertreten ist eine illustre Schar, von Country-Musikern wie George Hamilton IV bis Ärzte-Musiker Bela B, letzterer mit einer sehr schönen Version von „Running Bear“, den Schlagerfreunden unter uns besser bekannt als „Brauner Bär und Weiße Taube“. Zunächst drehte ich die CDs etwas unschlüssig hin und her und war skeptisch, ob bei dieser Bärenprogrammatik etwas Hörenswertes herauskommen kann. Aber das war wohl eher mein Problemgebaren, denn die allermeisten Songs sind schlichtweg gut, nicht mehr aber auch nicht weniger. Und wann hört man schon mal Ladi Geisler oder sagen wir mal – Gunter Gabriel. Das Cover dieses Box-Sets ziert im übrigen ein Bild des inzwischen zu künstlerischen Weihen gelangten Nils Koppruch, ehemals Fink-Sänger. Als Songschreiber und Mitmusiker von Peter Lohmeyer mit „Hotel Rex“ ebenfalls auf einer der beiden CDs vertreten. Insgesamt eine bärenstarke Geburtstags-Compilation.
