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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:39

Stephan Micus: Bold as light & Giya Kancheli:themes from the songbook

19.10.2010

In der Ruhe liegt die Kraft

Musik, die Aufmerksamkeit erfordert, um ihre Wirkung zu entfalten. Es ist Zeit, sich einfach mal wieder auf Sofa zu setzen, Ruhe zu geben und den Klängen zu lauschen. "Es lohnt, denn das ist Wellness!", meint TOM ASAM.

 

ECM-Liebhabern dürfte der Name Stephan Micus wohl ein Begriff sein, ist Bold as light doch bereits seine 19. Veröffentlichung auf dem renommierten Label. Multiinstrumentalist Micus ist einer jener Musiker, die ein Instrument in der Hand haben müssen, um dem richtigen Klang auf die Spur zu kommen. Er setzt sich nicht hin und komponiert mal eben ein Stück. Vielmehr ist es ein Experimentieren mit überwiegend ziemlich unbekannten bzw. in Vergessenheit geratenen Instrumenten aus aller Herren Ländern, das zum Ziel führt. Japanische Bambusflöte (Nokhan) trifft auf laotische Raj Nplaim und übereinander geschichtete Vokalklänge. Wobei sich Micus gerne von polyphonen Gesangsstilen Georgiens und Bulgariens inspirieren lässt. Klingt exotisch? Ist es! Nicht zuletzt auch deshalb, da Micus die Instrumente gerne anders als im ursprünglichen kulturellen Kontext einsetzt. So wir die  Raj Nplaim von den Hmong People ursprünglich als Soloinstrument genutzt.

 

Hier hört man mehrere Exemplare dieses im Klang einem Harmonium ähnelnden Instruments gleichzeitig, was das Entstehen von Glissendos bewirkt – etwas, dass mit dem Harmonium eher nicht geht. Ungewohnt ist auch der hohe, etwas alarmierende Klang der Nokhan. Das Instrument ist so konzipiert, dass es fast unmöglich ist, konventionelle Melodien zu spielen und die Performance eines ungeübten Spielers schnell zur Folter werden lässt. „Possibly the strangest music conceived by people on this planet.“ Die Geschichten, die die erwähnten und weitere Instrumente dem Hörer in diesen Kompositionen erzählen, setzen ein offenes Ohr, Aufmerksamkeit und Phantasie des Hörers voraus. Es scheinen Geschichten zu sein, die aus fernen Gegenden und vergangenen Epochen auftauchen; Geschichten, die jeden angehen, die man aber so noch nicht gehört hat.

 

Bei Themes from the Sonbook handelt es sich um eine Geburtstagsüberraschung. Giya Kancheli, Georgischer Komponist, schrieb immer wieder auch Stücke für Film und Bühne, wobei Themen daraus auch in größere Werke mit einflossen. Im Jahre 2009 veröffentlichte er ein Songbook mit dem Titel Simple Music for Piano, was auch eine Ermutigung zu Interpretationen seiner Stücke sein sollte.

 

Manfred Eicher, Chef von ECM, sah das als Steilvorlage für ein Projekt um den Argentinischen Bandoneon-Spieler Dino Saluzzi, dessen Spielweise für große Ausdruckskraft und den Mut zur freien Improvisation gleichermaßen bekannt ist. Pünktlich zum 75. Geburtstags Kanchelis spielte Saluzzi mit Gidon Kremer an der Violine und Andrei Puskarev am Vibraphon 20 Titel des Songbooks in neuem Klanggewand ein. Neun davon stammen aus der Zusammenarbeit Kanchelis mit dem renommierten Theater-Direktor Robert Sturua, die restlichen sind Themen aus Filmen. Ein Geburtstagsgeschenk, an dem viele Menschen Freude haben werden!


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