ECM-Liebhabern dürfte der Name Stephan Micus wohl ein Begriff sein, ist Bold as light doch bereits seine 19. Veröffentlichung auf dem renommierten Label. Multiinstrumentalist Micus ist einer jener Musiker, die ein Instrument in der Hand haben müssen, um dem richtigen Klang auf die Spur zu kommen. Er setzt sich nicht hin und komponiert mal eben ein Stück. Vielmehr ist es ein Experimentieren mit überwiegend ziemlich unbekannten bzw. in Vergessenheit geratenen Instrumenten aus aller Herren Ländern, das zum Ziel führt. Japanische Bambusflöte (Nokhan) trifft auf laotische Raj Nplaim und übereinander geschichtete Vokalklänge. Wobei sich Micus gerne von polyphonen Gesangsstilen Georgiens und Bulgariens inspirieren lässt. Klingt exotisch? Ist es! Nicht zuletzt auch deshalb, da Micus die Instrumente gerne anders als im ursprünglichen kulturellen Kontext einsetzt. So wir die Raj Nplaim von den Hmong People ursprünglich als Soloinstrument genutzt.
Hier hört man mehrere Exemplare dieses im Klang einem Harmonium ähnelnden Instruments gleichzeitig, was das Entstehen von Glissendos bewirkt – etwas, dass mit dem Harmonium eher nicht geht. Ungewohnt ist auch der hohe, etwas alarmierende Klang der Nokhan. Das Instrument ist so konzipiert, dass es fast unmöglich ist, konventionelle Melodien zu spielen und die Performance eines ungeübten Spielers schnell zur Folter werden lässt. „Possibly the strangest music conceived by people on this planet.“ Die Geschichten, die die erwähnten und weitere Instrumente dem Hörer in diesen Kompositionen erzählen, setzen ein offenes Ohr, Aufmerksamkeit und Phantasie des Hörers voraus. Es scheinen Geschichten zu sein, die aus fernen Gegenden und vergangenen Epochen auftauchen; Geschichten, die jeden angehen, die man aber so noch nicht gehört hat.