Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree TATORT (SR) - Skalpell (28.05.2012) von Michael Ebmeyer "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 11:43

Zeitkratzer: Whitehouse (electronics) / Alvin Lucier (old school)

28.10.2010

Wer hat an der Zeit gekratzt ...

... sind wir wirklich schon verratzt / oder bleibt noch etwas Zeit / für Musik und Heiterkeit? Von TOM ASAM

 

Zeit haben sie mitgebracht? Ich die Musik! Ob dabei Heiterkeit aufkommt hängt von Ihnen und Ihren musikalischen Vorlieben bzw. der Bereitschaft sich in Neuland zu begeben, ab. Typische Gute-Laune-Musik geht nämlich anders. Um hier ein Grinsen ins Gesicht zu bekommen, sollte man schon mindestens ein Häkchen an eines der folgenden Kästchen machen können: Avantgarde, Neue Musik, Minimal Musik, Noise.

 

Zeitkratzer ist der Name eines elfköpfigen Ensembles, das 1997 von Reinhold Friedl gegründet wurde. Die Zeitkratzer-Musiker wohnen in diversen europäischen Metropolen und kommen hin und wieder in Berlin zusammen, um sich in verschiedenen Nischen Neuer Musik kreativ einzurichten.

 

Bös-beißende Melodien ...

Whitehouse ist ein Projekt des Noise- und Industrial-Spezialisten William Bennett. Dieser, in einem früheren Leben als Schachspieler international unterwegs, legt Wert auf Präzision. Er arbeitet akribisch genau mit Abschnittslängen, subkutanen Soundverläufen und variierten Wiederholungen. Zeitkratzer adaptieren sechs Whitehouse-Stücke und überführen sie mittels eines speziellen Umgangs mit Verstärkertechnik und Mikrophonie in eine noisige Instrumentallandschaft. Wie das dann klingt, umschreiben Friedls eigene Worte (zum Track Nzambi la lufua)vielleicht am treffendsten: „ Eine bös-beißende zweistimmig mikrotonale Melodie wird in den höchsten Registern von Trompete und Posaune viermal wiederholt, glissandiert dabei gelegentlich etwas abwärts. Eine kurze Coda, ein kleiner Moment der Refexion beendet dieses scharf gestellte Stimmungsbild.“

 

... und Triangel-Improvisationen

Wer hier Feuer gefangen hat, kann gleich nochmal an der Zeit kratzen und sich auf den 26. November freuen. In der Reihe [old school] veröffentlichen Zeitkratzer (wie auch Whitehouse auf dem eigenen Zeitkratzer-Label) Kompositionen von Alvin Lucier. Vorausgegangen waren in dieser Reihe Vertonungen von John Cage und James Tenney. Die Frage, inwiefern Alvin Lucier als Komponist zu bezeichnen ist, stellt sich anhand seiner Spielanweisungen. Zu Silver street car for the orchestra gibt es etwa knapp zwei Seiten Text, die beschreiben, in welcher Weise die akustischen Charakteristiken einer Triangel während der Aufführung erkundet werden sollen.

 

Für Opera with objects reichen hingegen 17 Zeilen, in denen die Untersuchung von Objekten wie Bonbongläsern, Plastikbechern oder Streichholzschachteln auf Resonanzen beschrieben wird. Sind diese Spielanweisungen als Kompositionen und die Ergebnisse als Musikstücke zu bezeichnen? Die  Vorgaben ermöglichen auf alle Fälle unbegrenzte Interpretationsmöglichkeiten, die neben der teilweise offenen Instrumental- bzw. Objektwahl und deren Klangvielfalt vor allem auch extrem vom individuellen Raumklang bestimmt wird. Zeitkratzers Interpretationen sind mit Ausnahme eines Stückes Livemitschnitte aus der Philharmonie Luxemburg.


Flattr this

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...