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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:44

Sigurd kämpft: Da Elefant is fertig / Pfui Pfui

04.11.2010

Mehr Bumsen und Saufen als Simsen und Surfen

Anfang der 80er Jahre erhebt sich im oberbayrischen Erding Superheld Sigurd zum Kampf gegen Spießertum und fade Unterhaltungsmusik. Mit wilden Bühnenauftritten verschaffen sich die fünf Provinzler Gehör selbst in der Landeshauptstadt und veröffentlichen in den Jahren 81 und 83 zwei Platten beim Giesinger Trikont Label. Von TOM ASAM

 

Deren Motto Unsere Stimme / Our own voice ist auch heute noch gültig, nach wie vor finden hier auch voglwuide einheimische Gewächse Raum zum wachsen. Nun bringen die Giesinger die beiden Sigurd-Scheiben als aufwendig aufgemachte Doppel-CD unters Volk. Schönes Klapp-Digi-Pack, Original-Artworks, Texte – alles da. Wie klingt er nun, der kämpfende Sigurd? Schaut man sich Cover und Titel an, könnte man auf Deutschpunk der bierseeligen Art tippen. Da wird einmal comicartig ein großer Elefanteneintopf serviert, das andere mal sieht man den Asphalt vor einer Kneipe, die frische Weißwürscht anpreist, eindrucksvoll vollgekotzt. Die Photos im Booklet weisen schon eher auf späthippiemäßiges Politkabarett mit bluesrockiger Untermalung hin.

 

Die Wahrheit liegt dazwischen bzw. ganz woanders. Textlich ist schon das Erstwerk sehr interessant. Aufbegehren gegen Obrigkeiten („Lassie komm / es is soweit / beissn zamm den Sheriff / es waerd höchste Zeit“) sowie die Paranoia der Zeit („auf Grundeis mei Arsch“). Fortschrittswahn und Beschleunigungstendenzen sind 1981 ebenso gewichtig wie knapp 30 Jahre später. Musikalisch, um Frank Apunkt Schneider, Autor der famosen Fleißarbeit Als die Welt noch unterging, zu zitieren, war Sigurd hier noch „eingeengt durch Rockmuster.“ Pfui Pfui hingegen nennt er Pere Ubu verdauend – und tatsächlich wird die Deutschrock-Ästhetik hier abgeschüttelt und unterschiedlichste Stile integriert bzw. Genregrenzen gesprengt. Punk ist das alles im besten Sinne, verstanden als unangepasst-dadaistische Meinungsäußerung von Individualisten. Vom vorm Alleinsein Angst habenden Rennfahrer bis zur Begegnung mit „da Fleischfliang“ ist hier einiges geboten, an die Wachsamkeit des mündigen Bürgers wird weiter appelliert und der Unzufriedenheit Ausdruck verliehen: „Gestern Nacht bei da Tagesschau hob I ma denkt I mog nimma I hob s´schnauz´n voi von dera liagarei ...“

 

Fazit: Früher war mehr Bumsen und Saufen als Simsen und Surfen - Kämpfer wie Sigurd sind nach wie vor wichtig. Besonderes Schmankerl: am 29.10. spielten die alten Recken in kompletter Originalbesetzung eines von drei Revival-Konzerten im Puerto Giesing, einen Steinwurf vom Sitz ihres Labels entfernt. Und das war kein rührseeliges Altherrentreffen, sondern: SAUGUAD!


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06.06. Aachen, Musikbunker
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