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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:45

Toms Schnellgericht

04.11.2010

Hinrichtungen und leckere Häppchen

The Temper Trap aus Melbourne klingen angeblich wie U2 bzw. U2.2.0, sprich Coldplay und sind damit wohl ziemlich erfolgreich. Also: nix wie her mit einem Remix zum Album Conditions. Doch immer geht diese Rechnung halt auch nicht auf. Bleibt auf halben Weg zwischen Stadion und Club stecken und ist nicht Fisch noch Fleisch. Weitgehend austauschbare Elektropop-Bückware ... Von TOM ASAM

 

Deutlich mehr Freude versprechen da die Free Moral Agents um den The Mars Volta-Keyboarder Isaiah „Ikey“ Owens. Der hat schon mit angesagten Namen wie Flying Lotus, oder Danger Mouse kollaboriert. Erwartungsgemäß geht es auch hier eher abgedreht zur Sache. Während der Opener North is red noch mit Saxophongetröte irritiert, steht in der Folge der Gesang von Mendee Ichikawa deutlich im Vordergrund. Um sie herum wird vertrackt herumgezockt. Psychelischer Möchtegern-Hip-Hop trifft auf Progrockgefrickel. Diese Art von Crossover erinnert an die 90er Jahre. So passt es auch, dass wir eine interessante Coverversion von Sonic Youths Little Trouble Girl (1995) serviert bekommen. Allerdings klingt Mendees Stimme hier in der ersten Hälfte eher nach Anne Clark, was uns nochmal ein Jahrzehnt nach hinten beamt. Würde ich mir gerne in Ruhe mal genau anhören, wenn nicht die Kopier-Paranoia der Plattenfirma das Hören wieder einmal versauern würde. Ein wiederkehrendes Voice-Over verhindert den Spaß – ausgerechnet und selten passend – durch den über die Musik gelaberten Albumtitel: control this!

 

Wem bonbonfarbene, gezeichnete Kitschcover mit hübschen Mädchen und Schmetterlingen gefallen, der liegt bei den Veröffentlichungen von Lola´s World richtig. Genre: Loungemäßige World-Groove-Compilations. Titel der neuesten Doppelpackung: Babylon Bar 2. Einteilung der CD´s in Ying und Yang. Noch wer da? Verwurstung von the good, the bad, the ugly und ein Projekt  Namens Urban love, welches no woman no cry covert. Chris de Burgh darf auch mitmachen! Das hier auch einige durchaus interessante InterpretInnen aller Herren Länder im Mix verkocht werden, geht leider unter.

 

Ein optisches Schmankerl hingegen ist das Retro-Cover von Dinner at the Thompsons. Off the grid ist ein äußerst süffiges Nu Soul-Gebräu mit Breakbeat- und HipHop-Flavour, funky Grooves und jazzy Styles! Featuring Funk-Sänger Lee Fields und die Rapper Insight und Guilty Simpson. Da bleibt beim Dinner keiner lange still am Tisch sitzen!

 

Perfekter Dinner-Gast wäre sicher Masen. Gutaussehender, optimistisch wirkender musikalischer Geschichtenerzähler mit „halb-arabischen Wurzeln“ und „herzerwärmenden Ohrwürmern und mitreißenden Grooves.“ Irgendwo zwischen Reinhard Mey, Distelmeyers jüngerem Output (höre: Liebe ist neu) und Xavier Naidoo – perfekter Schwiegersohn, denke ich mir. Doch dann fragt Masen sich, ob Barbie wohl blute – das macht man doch nicht am Abendtisch! Außerdem klingt das doch eigentlich ganz anders und bleibt auch nicht, wie zunächst vermutet,  im LilaLauneland hängen. Aus der gekonnten jazzigen Instrumentierung auf wenn schon suchen, dann das glück sticht besonders der tolle Kontrabass von Dirk Lüking heraus. Besinnlicher, handgemachter Songwriter-Pop jenseits irgendwelcher Zeitgeist-Diskurse.


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