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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:46

Neulich im Hinterzimmer

11.11.2010

Halloween für Große

Vor einigen Tagen sind wieder hordenweise Leute um die Häuser gezogen, die sich Mühe gaben gruselig auszusehen. Das gelingt auch meistens, aber eher im Sinne von bescheuert. Wie auch immer so ein „Halloween-Happening“ in der Pinte ums Eck aussehen mag, spooky bestimmt nicht. Wahrscheinlich gilt eher das Motto Kindergeburtstag meets Fasching. Von TOM ASAM

 

Wo man außer Haus wirklich düstere, mystische Musik hören kann, fragte ich mich da. Im local Gothic-Club hab ich´s mal versucht. Die Musik lag da aber eher zwischen synthielastigem Stumpfbeat, Mittelalter-Kitsch und Wave-Metal-Pop zum Schunkeln. Da helfen auch keine umgedrehten Kreuze und Plastik-Schädel. Und wo Metal drauf steht, ist an einem Freitag Abend sicher kein düsterer Black Metal aus dem Underground drin, sondern immer noch Doro oder

Ozzy. Wo wir wieder bei Fasching respektive Halloween wären...

 

Also bleiben wir schön zu Hause, verkleiden uns maximal als Couchpotato und hauen uns Süßes und Saures rein! Dann heißt es: Licht aus – Ural Umbo an! Der Schweizer Reto Mäder und der US-Amerikaner Steven Hess empfangen uns mit Nebelschwaden-Sound. Hier steckt vermutlich eine fundierte Metal-Sozialisation dahinter, die sich zu einer ganz eigenen Form von Post-Doom verwachsen hat. Düsterer Bass und Drums treffen auf Percussion, Glockenspiel und Kalimba. Abgeschmeckt wird das dunkle Gebräu mit Elektronik und verhexten Tape-Sounds. Die Fog Tapes entstanden durch die vielschichtige Nachbearbeitung von analogen Basic-Tracks. Zwischen psychedelischen Drones bauen sich langsam seltsame, subtile Melodien auf, die dich in den Schlaf verfolgen. Doomy, foggy, spooky. Haustür zusperren und nochmal unter dem Kopfhörer anhören. Und zwar auf schwarzem Vinyl!

 

Um wieder etwas aus dem Dunklen aufzutauchen, legen wir Ante-Mortem von Ghédalia Tazartès nach. Das Album ist wie Ural Umbo auf Hinterzimmer Records erschienen, das seit einigen Jahren von erwähntem Reto Mäder und Kompanion geführt wird. Mit Ghédalia Tazartès hat er sich einen namhaften und einflussreichen Experimental-Musiker aufs Label geholt. Der Sound des 1947 in Paris geborenen, türkisch-stämmigen Künstlers ist ohne Übertreibung als einzigartig zu bezeichnen. 

Im Zentrum steht seine Stimme. Schreie, Muezzinartige Gesänge und Erzählstimme treffen auf collagierte Geräuschkulissen, die auch noisige Gitarrensounds beinhalten. 23 schlicht durchnummerierte Miniaturen setzen sich zu einem schizophrenen Gesamten zusammen, das sich nicht klassifizieren lässt. Geheimnisvoll, aufregend und durchaus auch mit Humor zu genießen!


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