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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:47

Robert Mitchell´s Panacea: The Cusp / Neon Quartet: Catch me Markku Ounaskari / Samuli Mikkonen / Per Jorgensen: kuára (psalms and folk songs)

18.11.2010

Piano, Piano

 

Schwarz-weiß spielen statt schwarz-weiß denken. Piano + Jazz ist manchmal mehr als Piano-Jazz. Von TOM ASAM

 

The Cusp ist das dritte Album des Komponisten und Pianisten Mitchell unter dem Panacea-Banner. Mitchell ist Teil des Movements M-Base, das sich von Kritkern oft falsch verstanden sieht und auf einer eigenen Hopmepage klarstellt: „M-Base is a way of thinking about creating music, it is not the music itself.“ Natürlich soll es nicht beim Denken bleiben, denn erst der Ausdruck im Sound führt schließlich zur Heilung, deren Göttin Panacea war.

 

Das Ensemble besteht bei diesen Aufnahmen aus acht Musikern, die ihre moderne Spielart des Jazz musikalisch wie textlich sehr ernst und erwachsen gestalten. Soziale, ethnische und ökologische Probleme werden ebenso thematisiert wie der kleine Alltagskrieg im Privaten. Die soulig unterfütterte Stimme von Deborah Jordan ist zwar ausdrucksstark, springt aber etwas bemüht zwischen den Lücken hin und her, welche die Instrumentierung zulässt – was auf Dauer etwas anstrengend wird. Piano-Harmonien im Stile eines Bill Evans treffen auf an Art-Musik geschulte Streicher und abwechslungsreiche Drum-/Percussion-Sounds. Das Klangbild ist etwas arg clean und poppig, was im Kontrast zu den avantgardistischen Bemühungen steht. Da braucht man einige Durchläufe um einen Standpunkt zu entwickeln.

 

Beim Neon-Quartet stehen Piano, Marimba, Saxophon und Drums gleichberechtigt nebeneinander. Wie auch bei Panacea handelt es sich um technisch brilliante Musiker, deren Arbeit vor allem auf der Insel für euphorische Kritiken sorgt. Elegant und druckvoll zugleich pendeln die Vier zwischen rhythmischer und perkussiver Ausdruckskraft und leicht düsteren, cineastischen Melodieformen. Zeitgenössischer Jazz in Bestform.

 

Warum groß in die Ferne schweifen, wenn das Exotische mehr oder weniger vor der Haustüre zu finden ist, dachten sich die beiden Finnen Markku Ounaskari und Samuli Mikkonen. Bei ihrem gemeinsam mit dem norwegischen Trompeter Per Jørgensen  eingefädelten Projekt Kuárawaren russische Psalmen und finno-ugrische Volkslieder aus Udmurtien, Wepsen und Karelien Ausgangspunkt der Inspiration. Schlagzeuger Ounaskari und Pianist Mikkonen zählen zu den bekanntesten und gefragtesten Jazzmusikern Finnlands, sind aber dafür bekannt, sich nicht von Genregrenzen beeindrucken zu lassen. „Die udmurtischen, wepsischen und karelischen Volksgruppen haben dieselben ugrischen Wurzeln wie das finnische Volk, und auch die Sprachen haben dieselben Wurzeln und weisen Ähnlichkeiten auf. Es gibt eine ungemein reiche Gesangstradition, die immer einen sehr religiösen Charakter hat” erklärt Ounaskari die Hintergründe dieser bestens in die Vorweihnachtszeit passenden musikalischen Entdeckungsreise. Einfache Melodien die Raum für Improvisation bieten, sorgen für eine melancholisch-kontemplative Stimmung. Ach, ja: Kuára bedeutet im udmurtischen Dialekt nichts anderes als Klang!

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