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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:48

Syd Matter: Brother Ocean

18.11.2010

Wer den Barret nicht ehrt ...

Ein Franzose mit dem gar nicht französischem Namen Jonathan Morali erobert unter dem Banner Syd Matters die Herzen der Musikfans mit seiner ruhigen Musik zwischen Traum und Wirklichkeit. Von TOM ASAM

 

Syd Matters soll ein abgewandeltes Best of-Pseudonym aus Syd Barret und Roger Waters sein. Bevor jetzt jemand denkt ach nee, Pink Floyd, kein Bedarf, gleich mal vorweg: Hier scheint wenn dann eher der crazy diamond Barret durch.

 

Dieser wurde ja, nachdem er das Anfangswerk der Rockgiganten entscheidend prägte, irgendwann auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn so unwohl, dass er sich völlig aus der Welt zurückzog. Für das Vorgängeralbum Ghost Days hatte sich auch Jonathan wochenlang von der Umwelt abgekapselt und sich in seiner Pariser Wohnung verschanzt – um mit Songs für ein tolles Album wieder aufzutauchen. Mittlerweile steht aber eine richtige Band hinter dem Namen Syd Matters. Im Frühjahr 2010 haben sich die Fünf für eine Akustik-Tour zusammengefunden, die in  eher ungewöhnlichenVenues wie einer Kapelle, einer Barkasse und einem umgebauten Bauernhof über die Bühne gingt. Das verdeutlicht das Streben nach schlichter Schönheit und Freiheit, das auf Brotherocean seinen Ausdruck findet.

 

Jonathan Morali ist jemand der nicht nur gerne liest, sondern Stimmungen und Ausdrucksweisen fiktiver Geschichten in seine Songs übertragen kann. Und jemand der offen genug ist, Empfehlungen sympathischer Weggefährten nachzugehen. Stark beeinflusst hat ihn da s Buch Die See von John Banville, eine Empfehlung des Musikers Dominique A. Das Meer zieht sich thematisch

 wie ein roter Faden durch das Album, besonders River Sister und We are invisible sind durch das Buch beeinflusst. Halalcsillag ist der Name eines Geisterschiffes in einer Geschichte von Garcia Marquez – der gleichnamige Song entstand innerhalb kürzester Zeit nach Zuschlagen des Buches. Wolfmother und Hi Life hingegen sind von der einzigartigen Stimmung in Faulkners Licht im August geprägt.

 

Morali und seine Mitstreiter schaffen es, wunderschöne Melodien unaufdringlich in einschmeichelnde, unkitschige Songs zu verpacken, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Deja Vu-Erfahrungen und wiederkehrende Träume der angenehmen Art. Der Geist Syd Barrets taucht im Sinne einfacher Melodien und eigenartiger Stimmungen auf und vereint sich mit Einflüssen zeitgenössischen Singer/ Songwriter und Neofolkies. Uneingeschränkt empfehlenswert!


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