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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:49

The Late Call: You Already Have A Home / Ezio: This Is the Day

25.11.2010

... still the new loud?

Unverstärkte Gitarren, schöne Melodien, empfindsame Seelen: Neu ist das alles nicht. Dennoch hat CHRISTOPH HAAS bei Ezio und The Late Call ein paar Songs gefunden, die eine Zierde jeder Mix-CD wären.

 

Quiet Is the New Loud: So hieß vor neun Jahren programmatisch das Album, mit dem die norwegischen Kings of Convenience daran gingen, das musikalische Erbe von Simon & Garfunkel in die Pop-Gegenwart hinüberzuretten. Nach all dem Grunge-Lärm, der die Neunziger erfüllt hatte, klang das sehr erfrischend. Ebenso konsequent auf den Charme der akustischen Gitarre setzten die englischen Turin Brakes, deren Debüt The Optimist LP im selben Jahr herauskam. Aus einem verwandten Ansatz entstand aber jeweils ein ganz anderer Sound: Die Musik der Kings war ein schüchterner Hauch, die der Turin Brakes eher eine kräftige Brise.

 

Salt in Your Wounds

Auch bei The Late Call und Ezio wird deutlich, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen eine grundsätzliche Präferenz folkig-akustischer Klänge führen kann. The Late Call kommen aus Schweden, und You Already Have A Home ist ihr zweites Album. Zart, sehr zart geht es hier zu. Die Gitarren werden nicht geschlagen, sondern gestreichelt; dem Schlagzeug, falls es überhaupt eine Rolle spielt, geht es ebenso; der Gesang nähert sich dem Flüstern an. Die Texte haben einen gedämpften Hang zum Melodram – das deutet sich schon in Titeln wie No More Salt in Your Wounds, Your Whisper in My Ear und Nevermore an.

 

Wie viele Bands, die es leise und langsam lieben, wirken The Late Call, hört man die CD am Stück, ein bißchen eintönig; irgendwann beginnt man sich nach einem kreischenden Feedback oder zumindest einer erhobenen Gesangsstimme zu sehnen. Sehr schön ist allerdings, wie die Streicher eingesetzt werden: fast minimalistisch sägend in Twenty-Four, kreiselnd und upliftend in Fribourg, dem besten Song der CD.

 

You Already Have a Home


 

I´ll never be the Boss

Schon seit Mitte der Neunziger aktiv ist Ezio. In musikalischer Hinsicht mag es der Engländer etwas herzhafter als seine jungen skandinavischen Kollegen: Auf This Is the Day ist immer wieder auch eine elektrische Gitarre zu vernehmen, und die Stimme beschränkt sich nicht ausschließlich auf Zimmerlautstärke. Die Songs sind daher unterschiedlicher – auch in ihrer Qualität, ein paar schwache sind schon dabei. Die guten allerdings sind phantastisch, nicht zuletzt wegen ihrer starken, selbstironisch grundierten Texte.

 

Bicycle singt das Loblied eines ungewöhnlichen Freizeitvergnügens: „I love being drunk on my bicycle / It makes me feel like I can fly / The pretty girls are like birds / And the cars are like clouds / And I’m feeling as blue as the sky”. In Springsteen klagt ein unglücklich Verliebter, daß er von seiner Angehimmelten kaum etwas weiß – nur gerade, daß sie den amerikanischen Star verehrt, mit dem er sich nicht messen kann: „I’ll never be the boss just lower management I guess / I’ve never had a Thunderbird a beat up Volvo is less absurd“. Und das ganze klingt wie „Boss“ Springsteen zu seiner besten Zeit, wie ein verschollener Song von Darkness on the Edge of Town. Wenn Ezio zu solcher Form aufläuft, bleibt dem Hörer nur eins: helle Begeisterung.


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