Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Kennzeichen T - 28.04.2012
Freitag, 25. Mai 2012 | 11:49

Kathrin Scheer: Rare

25.11.2010

Hommage an Schellack-Zeiten

Was die Tapete verspricht wird am Ende auch gehalten! Verspricht MIRJAM STUTZMANN.

 

Das Studium an der Musikhochschule in Köln hat Kathrin Scheers Begeisterung für Jazz geschult. Sie hat eine gut ausgebildete Stimme, die mich ein wenig an Fiona Apple erinnert. Für ihr Debutalbum hat sie sich einige Musiker ins Boot geholt und es wurde eine solide CD daraus. In der mitgelieferten Musikbeschreibung steht zwar auch etwas von einer Vorliebe für Grunge, aber den ausfindig zu machen, ist mir etwas zu mühsam.

 

Es überwiegen jazzige und poppige Melodien. Kein Jazz, wo man sich die Mühe machen müsste anstrengenden Instrumental-Soli zu folgen. Es handelt sich um einen schnell aufzunehmenden leichten Jazz, der angedeutete Soli schnell wieder deckelt und lieber wieder die nächsten Harmonieklänge drüber legt.

 

Es heißt ja eIgentlich „don’t judge a book by its cover“, aber das ignorieren wir jetzt mal und tun genau das! Wir judgen das Cover:

Das ist nämlich ganz schön retro. Eine spießige Mustertapete, bräunlich-verblichene Farbtöne und dazu eine stylishe Vintage-Badewanne, die auf antik geschwungenen Füßchen steht und darin, so vermute ich jetzt mal, liegt die Sängerin. Dazu Omas Lampe und Bilderrahmen – alles liebevoll ausgewählt, nostalgieverliebt und vor allem eins: gefällig. Wie das Cover – so in diesem Fall auch der Inhalt, meiner Meinung nach. Allerdings ist’s mir etwas zu gefällig. Die Songs plätschern melancholisch-harmonisch dahin wie das Badewasser auf dem Bild. Erst beim siebten Lied, höre ich wirklich hin, denn da passiert etwas Neues. Ein wenig Offbeat, ein bisschen Trip-Hop-Anleihen und schon klingt das ganze viel eigener und spannender.

 

Das herausragendste Stück ist das letzte auf der CD und heißt The night is young (and so are we). Das Tempo wird etwas angezogen und die Melancholie, der bisher die ganzen Lieder hindurch eigentlich schon zu lange gehuldigt wurde, weicht einem positiven Ausblick, einem versöhnlichen Ende. Da ist dann auch eine Stimmung auszumachen, die ich am ehesten mit der auf dem Cover abgedruckten Tapete in Einklang bringen kann. Da macht die Pop-Jazz-Mischung Spaß, erinnert vielleicht an die Andrew Sisters und auch ein bisschen an Amy Winehouse. Eine kleine Hommage an vergangene Schellack-Zeiten und ein kleines Augenzwinkern obendrauf. Insofern ein sehr schönes Ende des Albums und eigentlich hätte ich beim nächsten Mal so ein Lied gerne am Anfang, um dann neugierig darauf werden zu können, wie es weitergeht.


Flattr this

 

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...