Es heißt ja eIgentlich „don’t judge a book by its cover“, aber das ignorieren wir jetzt mal und tun genau das! Wir judgen das Cover:
Das ist nämlich ganz schön retro. Eine spießige Mustertapete, bräunlich-verblichene Farbtöne und dazu eine stylishe Vintage-Badewanne, die auf antik geschwungenen Füßchen steht und darin, so vermute ich jetzt mal, liegt die Sängerin. Dazu Omas Lampe und Bilderrahmen – alles liebevoll ausgewählt, nostalgieverliebt und vor allem eins: gefällig. Wie das Cover – so in diesem Fall auch der Inhalt, meiner Meinung nach. Allerdings ist’s mir etwas zu gefällig. Die Songs plätschern melancholisch-harmonisch dahin wie das Badewasser auf dem Bild. Erst beim siebten Lied, höre ich wirklich hin, denn da passiert etwas Neues. Ein wenig Offbeat, ein bisschen Trip-Hop-Anleihen und schon klingt das ganze viel eigener und spannender.
Das herausragendste Stück ist das letzte auf der CD und heißt The night is young (and so are we). Das Tempo wird etwas angezogen und die Melancholie, der bisher die ganzen Lieder hindurch eigentlich schon zu lange gehuldigt wurde, weicht einem positiven Ausblick, einem versöhnlichen Ende. Da ist dann auch eine Stimmung auszumachen, die ich am ehesten mit der auf dem Cover abgedruckten Tapete in Einklang bringen kann. Da macht die Pop-Jazz-Mischung Spaß, erinnert vielleicht an die Andrew Sisters und auch ein bisschen an Amy Winehouse. Eine kleine Hommage an vergangene Schellack-Zeiten und ein kleines Augenzwinkern obendrauf. Insofern ein sehr schönes Ende des Albums und eigentlich hätte ich beim nächsten Mal so ein Lied gerne am Anfang, um dann neugierig darauf werden zu können, wie es weitergeht.

