Tanzen bis die Flieger kommen
Doch auch das Unterhaltungsprogramm konnte sich sehen lassen! Bis eine Bombe im Jahr 1944 dem (die Jahre zuvor vermutlich nicht mehr ganz so) munteren Treiben ein jähes Ende bereitete. Das 1962 in bescheidenerem Rahmen wiedereröffnete Café konnte und kann sich nicht mehr mit der Pracht vergangener Tage messen, wurde aber vom Münchner Chronisten Sigi Sommer immer noch als „Café Wichtig“ bezeichnet. Seit Jahren sind nun wieder Künstler und Literaten in der sogenannten Luitpold-Lounge zu Gast. Und in den letzten Wochen wurde nun gar die alte Tradition des Tanzcafé -Betriebs wieder aufgenommen! Zu diesem Anlass erscheint auf dem Münchner Trikont-Label nun diese schöne Zusammenstellung kaffehauskompatibler Musik aus verschiedenen Jahrzehnten.
Neben einigen ganz großen Namen wie Billie Holliday und Nina Simone finden sich auch etwas in Vergessenheit geratene Perlen oder aktuelle Trikont-Gewächse wie G-Rag y los Hermanos Patchekos oder die sympathisch-skurrilen japanischen Wahlmünchner Coconami. Die Palette der Stilarten ist sogar noch größer als der Untertitel Swing, Rumba und Kaffeehausblues vermuten lässt. Joao Gilberto´s Chega de Saudade aus dem Jahre 1959 ist quasi ein Ur-Bossa-Nova. Orientation ist bekannt für Filmmusik (sie illustrierte z.B. Fatih Akin´s Gegen die Wand akustisch). Eine tolle Entdeckung ist die Libanesin Soumaya Baakbaki mit Ashanak Ya Amar. Sie verbindet hier arabischen Gesang mit Tango als wäre es die normalste Sache der Welt. Insgesamt bietet Liebling Luitpold viel Abwechslung für die Kaffeehaus-Atmosphäre im heimischen Wohnzimmer. Dass einige Stücke bereits auf anderen Trikont-Compilations vertreten sind, dürfte allenfalls ein paar Sturköpfe stören. Luitpold: Liebling der Woche!

