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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:49

Toms Schnellgericht

02.12.2010

Augen zu, Ohren auf!

 Hinrichtungen und lecker Häppchen von TOM ASAM.

 

Kollegin Mirjam hat letzte Woche den Satz „Never judge a book by it´s cover“ auf Tonträger-Verpackungen übertragen. Ein Thema, dass mich eigentlich auch ständig begleitet. Bei vielen Veröffentlichungen frage ich mich, ob die Musiker einfach keine Möglichkeit der Mitsprache bei der Covergestaltung hatten, diese einfach nicht nutzten – oder wirklich hinter der einen oder anderen gestalterischen Katastrophe stehen. So manch schlimme Cover-Version mag ja auch nötigen Kompromissen aufgrund unterschiedlichster Geschmäcker oder Geldmangel geschuldet sein. Über den musikalischen Inhalt sagen sie so oder so freilich oft nicht all zu viel aus. Einige aktuelle Beispiele:

 

Bei akward i ist man sich erstmal nicht sicher, was der Bandname ist. Das Auge bleibt zunächst am Wort Ecxelsior hängen, an dem aber noch ein Recordings dranklebt. Sieht aus wie das Logo eines Discounter-Dosenbieres. Der Bandname selbst ist ,wie der Titel i really should whisper, in unterschiedlichen Farben im Grundschul-Filzer-Gekrakel gehalten. Dazu ein stilisierter, wütender Torso mit dem Rest des Farbgeklecksels im Maul. Überraschung: Dahinter steckt der Niederländer Djurre de Haan mit zeitlos-schönem, alternativ angehauchtem Folk vom Feinsten. Tolle Songs mit genau der richtigen Kelle Pop, reduzierte Instrumentierung, angemessen produziert. Muss sich nicht hinter international gehandelten Namen verstecken – und wird vom Uncut-Magazin nicht unpassend als „slightly meatier Bon Iver“ gefeiert. Liebes Excelsior-Team: Da habt ihr einen Rohdiamanten, dessen Name den des Labels doch überstrahlen sollte!

 

Wer sind wohl die Superpreachers? Das Cover zeigt uns ein Photo einiger Schafe, eines davon im Vordergrund mit Kippe im Maul, der Underdog. Das schwarze Schaf, das gar nicht schwarz ist – bei den Schafen scheint es mit der alten Rollenverteilung auch nicht mehr weit her zu sein.Kopf der Superpreachers ist ein äußerst interessanter Zeitgenosse. Francois Carles wird als öffentlichkeits-scheuer, wortkarger Workaholic beschrieben. Er betätigt sich als DJ, Fotograf, Videoclip-Produzent  - und ist graue Eminenz diverser Underground-Musikprojekte. Das dritte unter dem Namen Superpreachers veröffentlichte Werk ist ein etwas atemloses Soundkaleidoskop einer ganzen Musikertruppe, Carles ist also nicht wie vermutet Einzeltäter. „New Old School“ nennen die Prediger ihren bunten Strauß. Von Gershwin über chansonhaftes bis zu Rap und Rrrriot reichen die Zutaten des unterhaltsamen Albums, dem der rote Faden freilich fehlt. Die Verkaufszahlen dürften Carles dabei allerdings relativ egal sein. Sein erstes Album verkaufte sich in Deutschland ein paar hundert mal, führte aber dazu, dass seine Musik in diversen namhaften Hollywood-Produktionen untergekommen ist. I feel happy wird er sich denken, mache was ich will – und irgendwie klappt es sogar. Der gleichnamige Titel wird im bald anlaufenden Harrison Ford Streifen „Morning Glory“ vertreten sein! Sei kein Schaf, hör mal rein!

 

Mensch, lass uns doch mal ein paar Töpfe Farbe mit in den Proberaum nehmen, dachten sich die Jungs von Big Kahoona. Da machen wir voll die Kreativsession und pinseln auch noch den Bandschriftzug an die Wand. Fertig sind das Cover und die Photos für´s Booklet.  Auch wenn mich das Ergebnis der Verpackung nicht wirklich überzeugt, muss man hier allerdings mal die Kirche im Dorf lassen. Denn es handelt sich um eine junge Nachwuchsband auf einem kleinen Label. Die Münchner bieten ihre CD vorerst nur auf Konzerten an, über ihr Label ist es für faire 8 Euretten als Download erhältlich. Da sei der Band auch zu gönnen, dass sie sich ihre für die Photos verwendeten Klamotten von einem Streetwear-Label sponsern ließ. Musikalisch lassen Big Kahoona durchaus aufhorchen. Ausgefeilter Rock mit deutlichem Progeinschlag wird da geboten. Dabei vermeidet man sowohl ausgedehnte Endlosfrickeleien im Stile der für das Genre fruchtbaren 70er Jahre, als auch die sterile Atmosphäre so mancher Neo-Progband. Insgesamt verfügen Big Kahoona durchaus über einen eigenen Stil! Und wenn man jetzt noch weiß, dass die Aufnahmen für das soundtechnisch wirklich gute Album im Jugendzentrum Solln entstanden sind, heißt es endgültig: Daumen hoch. Augen auf im Süden, sollte man sich mal live anschauen, wenn sich die Möglichkeit bietet!

 

Harmonius Bec ist der Name eines japanischen Duos. Keine Ahnung wie ein Cover-Artwork wie das ihres Debuts her strange dreams im Land der aufgehenden Sonne ankommt. Vielleicht gelten da ja Zeichnungen von blonden Kindfrauen mit Lipgloss und Kimono in märchenhaft surrealer Umgebung als das Non plus ultra. Ich würde am ehesten den Soundtrack zu einem langweiligen Zeichentrickfilm dahinter vermuten. Aber was wir hier serviert bekommen sind ausgefeilte, vertrackte Electonica für Fans von Boards of Canada oder DJ Shadow. Augen zu, Ohren auf!


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