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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:51

Michael Francis Duch: Edges / Lemur: Aigéan

02.12.2010

Advent mal anders

Experimentelle, akustische Musik mit Improvisationscharakter. Nix süß. Nix Glocken. Nur Klang. Von TOM ASAM

 

Spätestens am zweiten Advent ist man von Süßwaren. Würstchen und Glühwein diverser Weihnachtsmarktbesuche dermaßen übersäuert, dass man einen Gang runter schalten muss. Aber auch die Ohren laufen zu dieser Jahreszeit Gefahr, mit klebriger Soundware verklebt zu werden. Die Radiosender kramen alljährlich die gleichen drei Weihnachtslieder raus. Und die Zahl der relevanten Neuveröffentlichungen geht im Dezember deutlich nach unten. Stattdessen gibt es traditionell die x-ten Best-Of-Compilations irgendwelcher Langweilbands und Weihnachtsplatten von ehemaligen Castingopfern.

 

Abhilfe bei verzuckerten Gehörgängen verschafft zum Beispiel das interessante, norwegische Label +3dB. Nicht, dass sie es darauf anlegen würden, die Ohren mit brachialen Sounds frei zu pusten. Und wir drehen den Verstärker ja nur um drei Dezibel rauf!

 

Aigean


 

Lemur präsentieren mit Aigéan den Nachfolger ihres Debuts //////// (schöner Albumtitel auch!). Die vier Instrumentalisten (Flöte, Horn, Cello, Double Bass) lassen klassische Komposition und Kammermusik auf Noise und free-jazz-mäßige Improvisationen krachen. Diese Musik ist schwer zu verorten, ist es eine Art experimenteller Neo-Klassik? Egal, der Hörer wird umringt von einem Klangbild düsterer Zerbrechlichkeit, und der Kopf-Film läuft an. Billige Effekthascherei wird hier nicht genutzt, Erwartungen nicht bedient.

 

Der Norweger Micheael Francis Duch, bei Lemur am Bass, legt unter eigenem Namen noch eine weitere Platte nach. Edges ist die erste Veröffentlichung der neuen Reihe for ONE auf +3dB. Hier soll eine breite Bandbreite improvistationswütiger Solo-Künstler präsentiert werden. Einstellung und Genreeinordnungen spielen dabei keine große Rolle, vielmehr geht es um verschiedene Ansätze im Bereich experimenteller Improvistation. Duch reinterpretiert fünf Stücke experimenteller Musik, von Morton Feldman´s Projection 1 (1959) bis Howard Skempton´s Four Strings aus dem Jahre 1969. Er beschränkt sich dabei in seiner Klangschöpfung einzig auf das Instrument Bass, dessen Saiten er reibt und schlägt. Die Reduktion lässt die Stücke in einem völlig neuem Licht erscheinen.

 

Beide Platten erfordern aufmerksames Hören, dass höchstens durch einen Blick auf das vorweihnachtliche Schneetreiben abgelenkt sein sollte. Vorsicht: In den meisten Haushalten bringt maximal eine Person die nötige Muße mit!

 

Noch zu erwähnen ist die herausragende Qualität der +3dB-Produkte auch im Bereich der Gestaltung der Verpackungen. Die Digi-Packs überzeugen durch eine hochwertige Aufmachung und eine graphische Gestaltung von hohem Wiedererkennungswert.


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