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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:52

Finn-Ole Heinrich & Spaceman Spiff: Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf

02.12.2010

Bei vollem Bewusstsein

Der Autor und der Musiker. Zwei unterschiedliche Erzählweisen vereinen sich in einer gemeinsamen Gefühlswelt. Von TOM ASAM

 

Der junge mairisch Verlag sucht immer wieder nach Verbindungslinien zwischen vermeintlich getrennten Welten. Neben Büchern und Hörspielen möchte man auch die Musik nicht unbeachtet lassen. Nachdem vor kurzem die Jubiläums-Compilation Bookends verschiedene junge deutsche Liedermacher vorstellte, deren (deutsche) Texte mehr als nur Beiwerk zum Instrumentalen Geschehen bedeuten, folgt nun diese Kooperation zweier junger Talente.

 

Spaceman Spiff, mit Schnee auch auf Bookends vertreten, ist ein 24-Jähriger in Hamburg lebender Franke, der mit Gitarre und Helm durch die Gegend reist, um die Herzen der Zuhörer mit melancholisch-schönen, nachdenklichen Songs zu berühren. Drei seiner Songs nehmen auf Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf zwei (24 bzw. 42 Minuten lange) Erzählungen von Finn-Ole Heinrich in ihre Mitte. Vermutlich ist der musizierende Astronaut auch für die Hintergrund- und Zwischengeräusche bei den Erzählungen verantwortlich. Beim Titelstück steigert sich ein Herzschlag zu einem rauschenden Sound, so wie sich das Leben in Heinrichs Textens schnell von einer vertrauten Gleichmäßigkeit in einen schwer zu verstehenden Zustand verwandeln kann. Der Alltag liegt zwischen Banalität und Verstörtheit, Nähe und Entfremdung. Heinrich entfaltet gewaltige Gefühlswelten in den Nischen der Gegenwart und findet dabei einen ganz eigenen Ton.

 

Wie der Astronaut ist auch der Dichter der Reibung unterworfen; er nimmt sie an, um sein Ziel trotz aller Widerstände zu erreichen. So auch die Figuren in Heinrichs Texten, nur wissen die eigentlich gar nicht, wohin sie treiben. Sie nehmen die Schmerzhaftigkeit und Lächerlichkeit so mancher zwischenmenschlichen Begegnung jedoch bei vollem Bewusstsein wahr, wie der Weltraumreisende die Schönheit der blauen Kugel aus seinem Raumschifffenster. Was aus der Ferne so wunderbar schön und einfach wirken mag, gestaltet sich aus der Nähe oft wirr, bleibt aber alles, was wir haben. Hannes Wittmer (so des Spaceman irdischer Name) und Finn-Ole-Heinrich schärfen unseren Blick auf unser Leben und schaffen es, verschiedenste Gefühlsregungen gleichberechtigt neben einander zu stellen.


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