Da haut man die Kohle raus, weil man sie (noch) hat, oder trotzdem man sie nicht hat. Aber man kann halt auch sagen, dass die Regierung zum Kotzen und Gott tot ist und statt in die Christmette zu gehen, eine Dub-Step-Party in Tierkostümen machen. Größter Luxus ist nun mal die (bisher/ fast) uneingeschränkte Möglichkeit der Meinungsäußerung, was auch jede Art von kultureller Ausdruckskraft beinhaltet.
Diese Möglichkeiten sind in anderen Regionen nicht so selbstverständlich. Kulturell eher isoliert scheint sich Sohrab wahrzunehmen. Der 1984 in Teheran geborene Musiker war sieben Jahre alt, als der Iran-Irak-Krieg endete. Westliche Einflüsse in der Musik sind zwar heute im Iran nicht mehr verboten, die Möglichkeiten der Produktion und zu Auftritten sind aber sicher als beschränkt zu bezeichnen. Die Medienlandschaft unterliegt staatlicher Zensur.
Zwei Jahre lang versuchte sich Sohrab mit seinem Bruder und einem Freund in einer Punkband. Heute ist der musikalische Ausdruck seiner kulturellen Isolation ein gänzlich anderer. Mit Hilfe überschaubarer elektronischer Mittel (Reason 3, Midi Controller und Sampler) erzeugt er klaustrophobische Klangstrukturen, die aus einem hidden place nach außen dringen.
Die teilweise integrierten field recordings und Stimmen verstärken die entrückte Stimmung dabei ebenso, wie das Cover-Artwork, das den Blick auf ein zerstörtes Fenster und dahinter befindliche Dunkelheit weist. Es könnte ein Blick von innen nach außen sein – oder umgekehrt. Nimmt man die Umgebung als bedrohlich war, wird auch das Innere finster, und die Verbindung von innen nach außen zerbricht. Die düstere Ambientmusik von Sohrab macht diesen Bruch fast körperlich spürbar. Am besten klingen Der Himmel über Tehran und fünf weitere Stücke auf Vinyl!

