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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:54

Marcus Schmickler: Palace Of Marvels (Queered Pitch)

30.12.2010

Alle verfügbaren Techniken

Der 1968 in Köln geborene Marcus Schmickler hat wohl in einem Alter, da Kinderlieder das übliche akustische Futter sind, schon Stockhausen verabreicht bekommen. Der spätere Mitbegründer der Schallplattenladens a-Musik ist vor allem für seine zahlreichen Werke zeitgenössischer Elektronischer Musik bekannt. Von TOM ASAM

 

Palace of Marvels ist beeinflußt von einer Entdeckung des Psychologen Roger Shepard aus den 60er Jahren. Die Shepard-Tonleiter ist die Illusion einer unendlich ansteigenden oder abfallenden Tonleiter, die niemals die Grenze des eigenen Hörens übersteigt. Das menschliche Ohr kann durch laufendes zeitversetztes An- und Abschwellen einzelner Sinustöne nicht unterscheiden, welcher Ton die Grundfrequenz und welcher ein Oberton ist. Die Wahrnehmung der Shepard-Tonleiter basiert auf dem gestaltpsychologischen Gesetz der Nähe und kann als eine Art akustische Fata Morgana aufgefasst werden. Angefeuert wurde Schmicklers Interesse an diesem Thema durch E.H. Gombrichs Kunst und Illusion. Untertitel: Zur Psychologie der bildlichen Darstellung. Gombrich zeigt darin, wie außerordentlich vielgestaltig die Grundlagen für ein zeitgemäßes Kunstverständnis sind und welche psychologischen Merkmale die Wirkung von Kunstwerken determinieren.

 

Der Titel Palace of Marvels wiederum verweist auf den französischen Intellektuellen Jaques Attali, der in seinem Werk Bruits: essai sur l'économie politique de la musique aus dem Jahr 1977 einen eher unbekannten Text von Leibniz zitiert. Der Palace of Marvels hat also nichts mit dem gleichnamigen Comic-Verlag zu tun, sondern beherbergt in Leibniz´ Vorstellung alle verfügbaren Techniken und Wissenschaften. Der Bewohner kann alles hören und wahrnehmen, was außen passiert, umgekehrt ist das nicht möglich. Inwiefern dies wiederum in Schmicklers Werk auf die Auseinandersetzung mit Themen wie Überwachung, Zensur im Bereich Musik, Kontrollierbarkeit von Aufnahmetechniken oder die zunehmende Zwangsbeschallung im öffentlichen Raum stößt, ist mir nicht bekannt. Die Musik fordert allerdings zu einer Auseinandersetzung mit bisherigen Hörgewohnheiten auf. Und wenn man sich auch noch Zeit nimmt, herauszufinden, was hinter den einzelnen Titeln (etwa Risset brain hammer) stecken könnte, hat man hier eine CD, bzw. Doppel-LP, die einen länger beschäftigen wird.

 



 

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