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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:58

Anna Calvi: same

13.01.2011

Orchestrale Qualitäten

Englische Songwriterin debütiert zartbitter und hat die Meinungsmacher auf ihrer Seite. Von TOM ASAM

 

Die Drei ist eine imposante Zahl im Leben der Anna Calvi. Sie hat den größten Teil der ersten drei Jahre ihres Lebens im Krankenhaus verbracht. Sie hat drei Jahre völlig zurückgezogen mit ihren Dämonen gekämpft, um dieses Album fertig zu stellen. Und sie hat (mindestens) drei einflussreiche Männer von ihren Fähigkeiten überzeugt, bevor der Normalsterbliche ihren Namen jemals hörte. Brian Eno wollte sie nach einer Empfehlung eines Freundes kennen lernen und wurde zu ihrem Mentor und Fürsprecher. Nick Cave bekam Wind von der Musik der jungen Britin und wollte sie unbedingt für das Vorprogramm seiner Grinderman-Tour haben. Hätte ich beim Grinderman-Konzert in der Münchner Muffathalle Anna Calvi wegen des überpünktlichen Anpfiffs nicht verpasst, wäre mir vielleicht mehr als der aufgrund gähnender Langeweile zu oft wiederholte Gang zum Bierstand in Erinnerung geblieben. Der dritte Mann im Bunde schließlich ist der Chef des englischen Vorzeige-Indielabels Domino, Laurence Bell, der Calvi stante pede unter Vertrag nahm.

 

Damit nicht genug der Vorschuss-Lorbeeren: Anna Calvi steht auf der nicht wenig einflussreichen BBC-Liste der Newcomer 2011. Und wie klingt sie nun, die zu erwartende Senkrechtstarterin? Zunächst mal: düster-theatralisch. Nick Cave ist da schon mal gar keine so schlechte Orientierung, allerdings hinsichtlich seiner Musik vor Grinderman. Stellenweise bilde ich mir ein, eine gewisse Seelenverwandtschaft zum  begnadeten Jeff Buckley herauszuhören. Als Einflüsse bezüglich ihres Gesangs nennt Calvi selbst Elvis, Scott Walker, Nina Simone und Maria Callas. Natürlich bleibt es höchst unwahrscheinlich, dass sie derartige Dimensionen erreichen wird. Doch ist die Musik durchaus reizvoll. Als Trio, ohne Bass agierend, bleibt Raum für die einzelnen Töne – und doch erreicht das Team gewisse orchestrale Qualitäten. Anna Calvis Debutalbum liefert die gern beschriebene Sounduntermalung zu einem nicht existierenden Film, in dem die Protagonisten stilvoll und exaltiert leidend einem versöhnenden Ende entgegenleiden. Doch bei aller Theatralik möchte man der Künstlerin nicht die Ernsthaftigkeit ihres Vortrags in Frage stellen. Ich benötige noch einige Durchläufe, um mir ein volles Bild von diesem Album zu machen.


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