Damit nicht genug der Vorschuss-Lorbeeren: Anna Calvi steht auf der nicht wenig einflussreichen BBC-Liste der Newcomer 2011. Und wie klingt sie nun, die zu erwartende Senkrechtstarterin? Zunächst mal: düster-theatralisch. Nick Cave ist da schon mal gar keine so schlechte Orientierung, allerdings hinsichtlich seiner Musik vor Grinderman. Stellenweise bilde ich mir ein, eine gewisse Seelenverwandtschaft zum begnadeten Jeff Buckley herauszuhören. Als Einflüsse bezüglich ihres Gesangs nennt Calvi selbst Elvis, Scott Walker, Nina Simone und Maria Callas. Natürlich bleibt es höchst unwahrscheinlich, dass sie derartige Dimensionen erreichen wird. Doch ist die Musik durchaus reizvoll. Als Trio, ohne Bass agierend, bleibt Raum für die einzelnen Töne – und doch erreicht das Team gewisse orchestrale Qualitäten. Anna Calvis Debutalbum liefert die gern beschriebene Sounduntermalung zu einem nicht existierenden Film, in dem die Protagonisten stilvoll und exaltiert leidend einem versöhnenden Ende entgegenleiden. Doch bei aller Theatralik möchte man der Künstlerin nicht die Ernsthaftigkeit ihres Vortrags in Frage stellen. Ich benötige noch einige Durchläufe, um mir ein volles Bild von diesem Album zu machen.

