Wie geht das? Der Opener Caravan in der Interpretation von Henderson schleudert uns gleich in ein James-Bond-Riesenmovie – und das mit kaum mehr als Piano, Drums, Bass. Geige und Bratsche bringen zwar noch einen unerhört exotischen Effekt mit ins Spiel, aber es muss Hendersons Stimme sein, die diese Combo zur gefühlten Orchestergröße aufpumpt – und das mit elegant federndem Groove. Ein Markenzeichen beinahe aller Songs auf diesem Album ist dabei die Snaredrum. Sie bleibt fast durchgehend ungespannt, was den Gesamtklang der Band ungemein befreit und in einer faszinierenden Schwebe hält.
Dann beginnt das Wunder: Mit It hurts me too präsentiert Henderson einen Blues, die so reduziert und lupenrein daherkommt, das man zunächst meint, es handle sich um die Parodie eines Blues. Aber nichts da – diese Interpretation ist schlicht eine Sensation! Allen Bluesverdrossenen, die meinen, aus diesem ewigen Tonika-Subdominante-Dominante-Genre sei nichts mehr herauszuholen, sei diese Nummer dringend empfohlen. Es muss schlicht Hendersons Kunst »angelastet« werden, diesem dermaßen spärlichen Arrangement eine solche Tiefe zu geben.
Und dann Nature Boy. Die sehnlich vermissten Streicher, die Filip Runesson arrangiert und eingespielt hat, sind endlich wieder da! Eine halbe Melodie angerissen, ein arabisches Riff - und die gesamte Komposition bekommt eine völlig neue Dimension. Da gibt Henderson in aller Selbstverständlichkeit die Eartha Kitt und man weiß nicht mehr, wo, in welcher Zeit und welchem Film man eigentlich gerade ist.