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Freitag, 25. Mai 2012 | 11:58

tEitUR: Let the dog drive home

20.01.2011

Grandioser Tiefstapler aus dem hohen Norden

»Mit Let the dog drive home veröffentlicht Euer Lieblings-Singer/Songwriter ein neues Album«, verheißt der Pressetext. Woher wissen die ...? Ja, hier ist der Autor Fan, bekennt TOM ASAM.

 

An tEitUR ist mehr außergewöhnlich als seine naturgemäß hervorgehobene Herkunft. Er stammt von den Faroer Inseln, die hat er in den letzten Jahren aber sicher selten gesehen. Eher ungewöhnlich ist beispielsweise seine Discographie. Sein Internationales Debut Poetry and Aeroplanes erscheint 2003 auf einem Majorlabel und ist ein relativ konventionelles Singer/ Songwriteralbum. Tadellose Songs, aber irgendwie nicht aus der Masse der großen Konkurrenz herausstechend, wenngleich es schon hier Kritikerlob hagelt. Während andere Künstler von Album zu Album stromlinienförmiger werden und einem Big Deal hinterherjagen, geht tEitUR den umgekehrten Weg. Er ist mit den Vorstellungen von Universal unzufrieden und gründet mit seinem Manager zusammen ein eigenes Label. Das 2006 erscheinende Stay under the stars ist auf den ersten Blick sperriger und schwerer einzuordnen als der Vorgänger. Doch hier hat der junge Mann bereits eine ganz eigene Handschrift entwickelt. Mit seiner hohen Stimme trägt er grandiose kleine Geschichten über den Mann, der sich in die Tramperin verliebt oder den schrobig-sympathischen Kerl, der das Jahrmarkt-Karussel betreibt, vor. Im folgenden Jahr veröffentlicht tEitUR ein Album in seiner Muttersprache, um 2008 mit The Singer nachzulegen. Im Titelsong reflektiert er seine Bühnenrolle.

 

Never meant to be a singer

Obwohl zuhause abgefeiert, in Dänemark längst so etwas wie ein Star und nicht nur die britische Fachpresse voll auf seiner Seite wissend, scheint er immer noch verwundert den Kopf zu schütteln. They stare at my posture, and say I speak so well/  I sing about my loneliness, and in return they thank me / I'd never meant to be a singer, but I'm slowly getting used to the idea...

 

Was man auf let the dog drive home merkt. Das neue Album ist leichter zugänglich als die letzten beiden, besitzt aber dennoch diese ganz eigene Ausdruckskraft, die schwer zu beschrieben ist. tEitUR schafft es immer wieder, ein Gefühl der positiven Melancholie zu erzeugen und beim Hörer den Eindruck zu hinterlassen, die Musik nur für ihn geschrieben zu haben. Insgesamt scheint der Singer hier sich, seiner Sache und seiner Stimme sicherer denn je und vereint all seine Stärken in den neuen zwölf Stücken. Inklusive einer ersten Singleauskopplung You never leave LA, die für meinen Geschmack absoluten Hitcharakter hat. Let the dog drive home ist das erste Album, das tEitUR in Dänemark aufgenommen hat, mit etlichen Gastmusikern – inklusive Streichern und Chor. Doch keine Angst: das Ergebnis ist alles andere als überproduziert und absolut empfehlenswert.  tEitUR´s Tipp; to be a fly on the wall is the best you  can do / you just mind your own business / you just let it come to you (The fly).

 

Mein Tipp: falls Sie tEitURr noch nicht kennen und sich für Songwriter-Pop mit Hirn und Herz interessieren, kaufen sie sich stay under the stars sofort und Let the dog drive home am Erscheinungstag (28.01.). Damit sie noch Zeit haben, sich voller Begeisterung rechtzeitig ein Ticket für die anstehende Tour zu kaufen. Die Konzerte seiner letzten beiden Touren gehören mit zu den schönsten Live-Erlebnissen, die ich in den letzten Jahren hatte. Dieser Mann schafft es, ihnen Tränen in die Augen zu treiben und gleichzeitig ein seeliges Grinsen ins Gesicht zu zaubern! Und das wird diesmal wahrscheinlich das letzte Mal in kuscheligen Clubs der Fall sein. Und falls sie danach zu durcheinander zum heimfahren sind: Let the dog drive home! Noch eins: ja, auch das Cover des aktuellen Albums hinkt im künstlerischen Ausdruck meilenweit hinter dem Inhalt her; ignorieren und freuen, dass es nicht umgekehrt ist.


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