Es liegt auf der Hand, dass der Norweger Ketil Bjørnstad einen Night Song zur Hand hat, denn zu schlafen scheint der Mann niemals. Nicht nur zahllose Album-Veröffentlichungen zwischen Jazz und Klassik gehen auf sein Konto. Auch Ausflügen in die Popwelt ist er nicht abgeneigt. Er arbeitete mit Elvis Costello, taucht auf Alben von Stevie Wonder oder Ryan Adams auf, und war gar drei Jahre lang Bassist bei der Hardrock-Band um den schwedischen Gitarrenhexer Ingwie Malmsteen. Quasi nebenher hat sich Bjørnstad zudem als international renomierter Autor etabliert, der sowohl die Kritiker überzeugt, als auch kommerziell erfolgreich ist.
Mit Night Song kehrt er zum Piano-Cello-Konzept zurück, mit dem er in den 90ern bereits zwei beliebte Alben veröffentlichte. Damals war David Darling sein Partner, jetzt übernahm Svante Henryson das Cello, der unter anderem als Bassist für das Oslo Philharmonic und das Norwegian Chamber Orchestra tätig war. Der Leitgedanke hinter Night Song war ein Dialog mit Schubert, dessen Werke Bjørnstad seit seiner Jugend begleiten – man kann hier durchaus von einem Tribute-Album im weiteren Sinne sprechen.Zwar werden Schuberts Ideen hier nicht paraphrasiert, musikalische Grundideen, wie etwa die lineare Satzentwicklung, allerdings übernommen,.
Das Motto nicht zuviel zu spielen wird hier eingehalten, und so haben die leichtfüßigen Klänge genug Raum um ihre Schönheit zu entfalten. Ein melancholisch-ruhiger Wohlklang, der den Übergang vom Winter in den Frühling bestens musikalisch unterlegt. ECM-Chef Manfred Eicher hat die Aufnahmen in Oslo als Produzent begleitet, was Bjørnstad wichtig ist. Denn Eicher ist für ihn einer jener Menschen, von denen ein besonderes Maß an künstlerischer Energie ausgeht.

