Im England der Siebziger Jahre verschränken sich gesellschaftliche, politische und künstlerische Elemente und Ereignisse auf vielfältige Weise. Die Gewerkschaften haben mächtig Power und viele Studenten setzen sich mit sozialistischen bis kommunistischem Gedankengut auseinander. Soziologie ist noch so etwas wie ein hipper Studiengang, viele Bands rekrutieren sich aus Art-Colleges. Musikalisch ist der Punk schnell totgelaufen und die zahlreichen Versuche, diesen mit Phantasie und Aussagekraft zu beerben werden (später) gerne unter dem breiten Label Post Punk zusammengefasst. Gang of Four kommen, wie auch The Mekons oder die Au Pairs aus der Studentenstadt Leeds. Sie sind nicht wirklich – wie zu dieser Zeit noch so einige Studenten in England – den Maoisten zuzurechnen, aber sie benennen sich nach einer Führergruppe, die in China nach Maos Tod regierte.
Das mag für gewisse Bevölkerungsschichten ähnlich provokant gewesen sein, wie ihr individualistischer Versuch, aus der Punk-Sackgasse zu entkommen. Statt beschleunigten Drei-Akkorde-Rock zu spielen und krachigen Jams zu fröhnen, gehen sie strukturiert zu Werke. Sie integrieren ungewöhnliche Drumparts in ihren Sound, welche die üblichen Rockmuster negieren. Gitarre, Bass und Drums existieren gleichberechtigt nebeneinander und die präzise gesetzten Noten haben Raum zum Atmen. Der Sound ist kühl und rhytmisch und transportiert eine Art Funk in das, was einst Punk war. Ähnlich wie unsterblichen Wire, die dieser Tage ebenfalls ein neues Album veröffentlichen, beeinflussten Gang of Four – ohne kommerziell in höhere Regionen aufzusteigen – Legionen und Generationen von Indie- und Punkbands. Ihre Fans und Nachahmer reichen von R.E.M., Sonic Youth über die Red Hot Chilli Peppers bis hin zur Gang of 2005, will meinen: Bands wie Bloc Party, oder Franz Ferdinand.