Das Problem mit dem Album Rogue kommt jedoch mit der Zeit, schleicht sich ein, stört dann und wird schließlich evident: Abigail hat schon alles gesagt, was der Rest der Platte dann nur noch nachplappert. Und nicht nur die Attitüde zwischen religiösen Abgründen und dunkler Selbsterfahrung nervt, auch die Mittel, mit denen dieser Dusterkosmos zum Klingen gebracht werden soll, gehen deutlich weckerwärts. Immer lange Melodielinien – immer! Jedes Instrument, das ein Riff (wenn man davon überhaupt reden mag, wo Riffs doch so etwas Zupackerisches suggerieren!) aufnimmt und uminterpretiert, ergeht sich in diesen endlosen lamentolangen Tönen und Halbmelodien. Das will zwar lyrisch sein, sudelt aber irgendwann mehr auf dem Nervenkostüm, als dass es hoheitlich zu Herzen dringt ...
Der Song Abigail hat Größe, das Album Rogue schrumpft dann jedoch von Song zu Song. Da hilft auch kleine Flucht ins Indiefolkige (was man zurzeit ja kaum irgendwie schlecht finden kann), da helfen auch keine Lyrikanleihen bei Robert Frost (Stopping by Woods), da hilft kein meterdicker U2-Gitarrenteppich, keine Aufblähung ins Orchestrale mit Trompete und Geige, keine noch so vermeintlich lyrische Linie, kein Nick-Cave-Prophetentum, da wird einfach nur klar, dass hier die Pose der Substanz noch überwiegt – doch die sei der jungen Truppe aus Stockholm absolut gegönnt.