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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:02

Bored Man Overboard: Rogue

28.01.2011

Gegönnt!

Abgötter sind eine feine Sache, vor allem wenn Sie den geweihteren Sphären entstammen. Und Bored Man Overboard hat hier definitiv auf die richtigen Pferde gesetzt. Kann da überhaupt noch was schief gehen?, fragt sich CHRISTOPH POLLMANN.

 

Hmmmm ... im Grunde beginnt alles richtig: Abigail ist ein unglaublich guter Song, mit Charakter, einem tollen Chorus, einer guter Dramaturgie, ein Song mit – echtem Eigenleben, mit Charakter! Man hat das Gefühl, die definitiv richtige Scheibe eingelegt zu haben und mag kaum glauben, dass Sänger und Gitarrist David Khan erst Anfang 20 ist. Überhaupt der Sound! Vermag den ein Kollektiv von Twens wirklich originär zu erschaffen? Oder lauert da im Hintergrund doch ein dubioser Mischmeister, der mit Bored Man Overboard nur genaui das Instrument gefunden hat, das er nach seiner Vorstellung zum Klingen bringen kann?

 

Der Sound der Schweden liefert viele Reminiszenzen mit. Allgemein werden genannt: The Gaslight Anthem und Arcade Fire. Was die Stimme angeht, so kann hier Nick Cave nicht ausgelassen werden. David Khan schmiegt sich schon sehr an dessen Stilistik und Phrasierung an. Was ja auch nicht weiter stört. Ein talentierter Sänger wie er, der über eine Stunde solch eine Melancholie grenzend an Düsternis zu verbreiten imstande ist, der darf ruhig seine finsteren Abgötter haben, und da schwebt Nick Cave ja nicht gerade in den mittelmäßgsten Sphären ...

 

Das Problem mit dem Album Rogue kommt jedoch mit der Zeit, schleicht sich ein, stört dann und wird schließlich evident: Abigail hat schon alles gesagt, was der Rest der Platte dann nur noch nachplappert. Und nicht nur die Attitüde zwischen religiösen Abgründen und dunkler Selbsterfahrung nervt, auch die Mittel, mit denen dieser Dusterkosmos zum Klingen gebracht werden soll, gehen deutlich weckerwärts. Immer lange Melodielinien – immer! Jedes Instrument, das ein Riff (wenn man davon überhaupt reden mag, wo Riffs doch so etwas Zupackerisches suggerieren!) aufnimmt und uminterpretiert, ergeht sich in diesen endlosen lamentolangen Tönen und Halbmelodien. Das will zwar lyrisch sein, sudelt aber irgendwann mehr auf dem Nervenkostüm, als dass es hoheitlich zu Herzen dringt ...

 

Der Song Abigail hat Größe, das Album Rogue schrumpft dann jedoch von Song zu Song. Da hilft auch kleine Flucht ins Indiefolkige (was man zurzeit ja kaum irgendwie schlecht finden kann), da helfen auch keine Lyrikanleihen bei Robert Frost (Stopping by Woods), da hilft kein meterdicker U2-Gitarrenteppich, keine Aufblähung ins Orchestrale mit Trompete und Geige, keine noch so vermeintlich lyrische Linie, kein Nick-Cave-Prophetentum, da wird einfach nur klar, dass hier die Pose der Substanz noch überwiegt – doch die sei der jungen Truppe aus Stockholm absolut gegönnt. 

      

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
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22.06. ...

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