Eine raue Landschaft
Die andere Seite von Kiss Each Other Clean bricht mit der sanften Erinnerung. Zum Vorschein kommt eine rauhe, unbekannte Landschaft, die sich an Jazz und Blues-Passagen orientiert. Saxophon-Soli, Rasseln, Xylophone, Mundorgeln und elektronische Soundeffekte laufen den akustischen Gitarren den Rang ab. Auch Beams Texte passen sich diesem Stimmungswandel an. Obwohl sich am Tempo seines Gesangs bei Me and Lazarus sich nicht viel verändet, verkündet hier ein ganz anderer Beam: »He's an emancipated punk and he can dance«. Mitten auf dem Album vereint Beam mit Rabbit will run schließlich beide Wege zu einem einzigen. Elektronische Gitarren spielen Seite an Seite mit ihren akustischen Cousins - eine kindlich verspielte Blockflöte wird durch eine elektronische Orgel unterstützt.
Einen Ausblick auf den weiteren Weg von Iron and Wine bietet der abschließende Song Your Fake Name is good enough for me. Experimentelle Saxophone-Soli haben nun endgültig das Soundfeld übernommen. Obgleich auch E-Gitarren und Trompeten prominent platziert sind, so kann neben den Saxophonen nur Beams Gesang bestehen, der zunächst nur den Singsang der Kinder im Song wiederholt: »singing something maybe they were singing«. Die musikalische Transformation findet in den letzten vier Minuten statt, in denen er das »Become« zum Mantra macht. Bis hin zur finalen Passage »We will become again and again ...« versammelt er noch ein letztes Mal sein gesamtes Orchester und den Chor, seine Wegbegleiter, die er auf seinem beschwerlichen aber doch erquickenden Marsch mit dem Titel Kiss Each Other Clean angesammelt hat.
