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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:03

Iron and Wine: Kiss Each Other Clean

03.02.2011

Ein Mann geht seinen Weg

Kiss Each Other Clean heißt das neue Album von Iron & Wine auf dem Sam Beams lyrisches Ich zielsicher durch Matsch und Schnee stapft und dabei seinen ganz eigenen Weg findet. In gebührendem Abstand folgt ihm unser Redakteur DANIEL WÜLLNER.

 

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem eingeholt werden, hat der unvergleichliche Marlon Brando einmal gesagt. Diesen Unikatsanspruch kann auch Sam Beam – die Stimme hinter Iron and Wine – für sich verbuchen, auch wenn versucht wird ihn mit Tom Waits auf eine Stufe zu stellen. Drei Jahre Arbeit stecken in seinem neusten Album Kiss Each Other Clean. Gemeinsam dem Produzenten Brian Deck (Modest Mouse, Gomez) orientiert er sich am Americana-Genre, macht aber immer wieder Abstecher in die elektronische Musik und den Jazz. Das Album schwingt ständig zwischen folklastigen Songs wie Tree by the River hin und kratzigen Jazzeinflüssen wie in Me and Lazarus her.

 

Sanftes Terrain

Gleich das erste Stück Walking far from Home gab bereits Ende 2010 einen Vorgeschmack auf das ganze Album, das aus Gegensätzen aufgebaut ist: Zwar rufen Beams einfühlsame Stimme und seine schwermütigen Texte Bildern eines Amerikas hervor, die durch eine Vielzahl von Folksongs geprägt wurden. Doch der instrumentelle Teil widersetzt sich dieser simplen Kategorisierung. Immer wieder kratzt der Synthesizer im Hintergrund und deutet auf einen beschwerlicheren Weg hin.

 

Beginnen wir aber mit dem einfachen Stück des Weges. Harfenartig gezupfte Gitarren und Frauenchöre sorgen für eine harmonische Grundstimmung in Half Moon und Godless Brother in Love. Dann setzt Beams Stimme ein - auf einmal werden seine Songs von Erinnerungen durchflutet: »I recall the sun in our faces«. Fehlt nur, dass er am Ende von Tree by the River den Namen seiner »Maryanne« in den Baum einritzt.

 

Eine raue Landschaft

Die andere Seite von Kiss Each Other Clean bricht mit der sanften Erinnerung. Zum Vorschein kommt eine rauhe, unbekannte Landschaft, die sich an Jazz und Blues-Passagen orientiert. Saxophon-Soli, Rasseln, Xylophone, Mundorgeln und elektronische Soundeffekte laufen den akustischen Gitarren den Rang ab. Auch Beams Texte passen sich diesem Stimmungswandel an. Obwohl sich am Tempo seines Gesangs bei Me and Lazarus sich nicht viel verändet, verkündet hier ein ganz anderer Beam: »He's an emancipated punk and he can dance«. Mitten auf dem Album vereint Beam mit Rabbit will run schließlich beide Wege zu einem einzigen. Elektronische Gitarren spielen Seite an Seite mit ihren akustischen Cousins - eine kindlich verspielte Blockflöte wird durch eine elektronische Orgel unterstützt.

 

Einen Ausblick auf den weiteren Weg von Iron and Wine bietet der abschließende Song Your Fake Name is good enough for me. Experimentelle Saxophone-Soli haben nun endgültig das Soundfeld übernommen. Obgleich auch E-Gitarren und Trompeten prominent platziert sind, so kann neben den Saxophonen nur Beams Gesang bestehen, der zunächst nur den Singsang der Kinder im Song wiederholt: »singing something maybe they were singing«. Die musikalische Transformation findet in den letzten vier Minuten statt, in denen er das »Become« zum Mantra macht. Bis hin zur finalen Passage »We will become again and again ...« versammelt er noch ein letztes Mal sein gesamtes Orchester und den Chor, seine Wegbegleiter, die er auf seinem beschwerlichen aber doch erquickenden Marsch mit dem Titel Kiss Each Other Clean angesammelt hat.

 

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