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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:03

David Fridlund: Some day, eventually, in the future ...

03.02.2011

Spärlicher Freiraum für Hörer

Nachdem sich David 2006 von seinen Citizens getrennt hat, ist der Schwede nur noch mit seinem Nachnamen Fridlund unterwegs. Eigentlich wollte DANIEL WÜLLNER sein zweites Solo-Album Some day, eventually, in the future ... hören und es erläutern, doch diese Aufgabe hat ihm der Künstler leider schon abgenommen.

 

Einer der Entscheidungsgründe für den Kauf einer richtigen, echten CD anstelle eines Downloads ist noch immer die haptische Erfahrung und ein richtiges Booklet. Letzteres kann aber zu herben Enttäuschungen führen. Während ein normales Leporello die Playlist, die Songtexte und ein paar kryptische Bilder enthält, hat sich David Fridlund nicht nur dafür entschieden die Entstehungsgeschichte jedes einzelnen Songs zu präsentieren, sondern auch gleich eine Höranweisungen zu allen mitzuliefern. Dadurch verblasst die Magie der Lyrics – sie werden unlyrisch. Den Song October 6th übersättigt Fridlund wie folgt: »To me this song screams of fall, hence the title ...«

 

Kein bisschen doppeldeutig

Fridlund folgt seinem eigenen Credo in Diamonds & Photographs baut sich eine eigene Welt aus Lego: »The world is made of LEGO / you can grab yourself a fistful and build yourself a palace.« Sein Palast ist einfach strukturiert: Eine klare Geschichte, die er leider im Text vorwegnimmt, viele bunte und poppige Refrains, ein paar Gitarrensoli und ein verspielter Zweiklang aus seiner geliebten Solina String Machine und einer akustischen Orgel (Piscine). Dabei ist seine Stimme stets sehr präsent, obgleich er kein überzeugender Erzähler ist.

 

Die Songs wurden so lange geschliffen, dass sie nur noch wenig Kanten besitzen, an denen man hängen bleiben kann. Gerne würde man sich ein eigenes Bild davon machen, warum der Berliner Fernsehturm wie eine gigantische Rakete aussieht: »The Fernsehen Turm is like a giant rocket« (Simple Mathematics). Doch diese Geschichten hat Fridlund alle schon erzählt und wenn es nicht seine eigenen sind, dann stammen sie aus Yann Martels The Story of Pi oder aus Ron McLartys The Memory of Running.

 

Booklet beiseite legen

Zwingt man sich dazu das Booklet wegzulegen und nur der Musik zu lauschen, so kann es gelingen, den Bruderzwist in Me against You und die aufkeimende Hoffnung in With every new day selbst zu erleben. Diese Songs machen Spaß. Sind sind dunkel und ruppig, poppig und herzlich. Und vor allem lassen sie Freiraum für den Hörer. With every new day steigert sich in kleinen Kaskaden, die einfach keinen Platz für Pessimismus lassen, aber ein gutes Gefühl im Bauch erzeugen.

 

Leider hält dieses Erlebnis nur kurz vor - für die großen menschlichen Tragödien reicht Fridlunds Musik jedoch nicht. Die meisten von seinen Songs folgen dem Muster von When you Leave: Der Künstler hat eine Idee und möchte sie musikalisch umsetzen - in diesem Fall der Verlust eines Menschen - und scheitert auf hohem Niveau. Auch wenn Fridlund versucht die entsetzliche Stille, die nach dem Ableben einsetzt, in seinen Text einzufangen »I hear the silence grow« und es sogar lyrisch überhöht »and it's loud as hell«, so kann er der Tragik des Ereignisses mit seiner Komposition nicht folgen. Anstatt nach dem letzten »silence« zu verhallen, geht der Song laut und fröhlich weiter. Fridlund begeht denselben Fehler wie in seinem Booklet, der schreibt dem Zuhörer vor, was er zu hören hat, anstatt ihm auch nur einmal den Freiraum zu lassen, sich anhand der Musik ein Bild im Kopf zu malen.

 

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