Booklet beiseite legen
Zwingt man sich dazu das Booklet wegzulegen und nur der Musik zu lauschen, so kann es gelingen, den Bruderzwist in Me against You und die aufkeimende Hoffnung in With every new day selbst zu erleben. Diese Songs machen Spaß. Sind sind dunkel und ruppig, poppig und herzlich. Und vor allem lassen sie Freiraum für den Hörer. With every new day steigert sich in kleinen Kaskaden, die einfach keinen Platz für Pessimismus lassen, aber ein gutes Gefühl im Bauch erzeugen.
Leider hält dieses Erlebnis nur kurz vor - für die großen menschlichen Tragödien reicht Fridlunds Musik jedoch nicht. Die meisten von seinen Songs folgen dem Muster von When you Leave: Der Künstler hat eine Idee und möchte sie musikalisch umsetzen - in diesem Fall der Verlust eines Menschen - und scheitert auf hohem Niveau. Auch wenn Fridlund versucht die entsetzliche Stille, die nach dem Ableben einsetzt, in seinen Text einzufangen »I hear the silence grow« und es sogar lyrisch überhöht »and it's loud as hell«, so kann er der Tragik des Ereignisses mit seiner Komposition nicht folgen. Anstatt nach dem letzten »silence« zu verhallen, geht der Song laut und fröhlich weiter. Fridlund begeht denselben Fehler wie in seinem Booklet, der schreibt dem Zuhörer vor, was er zu hören hat, anstatt ihm auch nur einmal den Freiraum zu lassen, sich anhand der Musik ein Bild im Kopf zu malen.
