Homogen und dynamisch
Man kann den redundanten mantrahaften Charakter, die meditative Grundhaltung dieser Platte nicht überbetonen. Weil sie selbst es in einem Maße überbetont, sich beides als Konzept gedeihen lässt, ihr Potenzial gerade daraus schöpft und spielerisch damit umgeht. Der Song Faults beweist, dass Seefeel trotzdem in der Lage sind, die Abzweigung Richtung Eingänglichkeit zu nehmen oder dabei von ihrem eigenen Weg abzukommen. Wenn Sarah Peacocks Stimme als weiteres Sample, als weiteres Collagenelement in den Mix geschaltet wird, strahlt die Musik Seefeels eine befremdliche Harmonie aus, ein nahezu wohliges Gefühl von konsumatorischer Sicherheit breitet sich aus. Das ist doch fast Pop. Dieses Gefühl endet, so schnell es gekommen ist, wenn die nächste Runde auf der auditiven Folterbank eingeläutet wird. Es sind so zwei Spannungspole, zwischen denen Seefeel beliebig hin- und herschalten, ohne auch nur für eine Sekunde ihre Homogenität aufzugeben oder an Dynamik zu verlieren.
Seefeel ist definitiv kein Album für den verkaterten Sonntagvormittag, eine denkbare schlechte Wahl für ein romantisches Candlelight-Dinner, es eignet sich ganz bestimmt nicht als erfolgreiche Abschlussarbeit für die Mannheimer Popakademie. Es ist eine Folter, sich dieses Album anzuhören. Aber eine, die man sich hin und wieder gerne antun wird, in dem Wissen, dass man Ausnahmemusikern bei der Arbeit zu hören kann, die es nicht drauf anlegen, Gefallen zu finden. Das tut die wenigste Kunst.
