Und zur ersten »Polizistin« werden wird, an der man nicht mehr vorbei kommt. »I want you to fall in love with me« eröffnet sie das Album, und wie sollte man sich auch dagegen wehren? Wie schon das Cover und das Booklet versprühen die Songs eine subtile erotische Note zwischen Glamour und mystisch angehauchter Erd-Verbundenheit. Joan kreuzt ihre gender- und kunstgetränkte New York-Sozialisation mit einem unaufdringlichen – aber umso überzeugenderen - Update dessen, was Erinnerungen an musikalische Großtaten afro-amerikanischer Legenden hervorzurufen in der Lage ist. Dabei findet sie einen eigenen Weg zwischen der Schublade jazz-inspierierten Singer-Songwriterinnen, die für immer mit Joni Mitchell beschriftet ist, und den polierten Neosoul-Installationen dieser Tage. Sie lässt alle Amys und Duffys mit Leichtigkeit hinter sich und sieht vor sich nur noch ein weites Feld.
Die entspannte Atmosphäre der Platte hängt sicher mit persönlichen Erfahrungen zusammen. Tiefen Eindruck hat der »Ausflug« mit Damon Albarn nach Äthiopien auf Joan gemacht. Die unverstellte Kommunikationsbereitschaft der Einheimischen haben wie die kürzlich gewonnene Einsicht, dass das Leben auch mit 40 nicht aufhört, dazu beigetragen, der Spontanität und dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen. »I know we agree/ that good living requires smiling at strangers« singt sie und bringt uns mit the deep field ein äußerst sympathisches Lächeln entgegen. Beeindruckend: auch die wunderbaren Photos im Booklet stammen überwiegend von dieser talentierten Frau. Wenn man jetzt noch weiß, dass Joan die Geliebte des so weit vor seiner Zeit verstorbenen Übertalents Jeff Buckley war, dann wird einen direkt schwindlig beim Gedanken daran, was das für ein Paar hätte werden können.
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