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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:05

FMP Im Rückblick - In Retrospect

04.02.2011

Die Heimat des Free Jazz

Als ECM kürzlich ihren vierzigsten Geburtstag feierte, wurde einmal mehr das Lob Manfred Eichers gesungen. Er ist wohl der am meisten gefeierte Schallplattenproduzent. Mit Recht. Seine Fähigkeiten sind unbestritten, und das Programm seines Labels zeugt davon. Aber im selben Jahr, in dem ECM gegründet wurde, 1969, kam auch ein anderes deutsches Label zur Welt, und sein Mitbegründer Jost Gebers darf auf seine Weise als ebenso verdienstvoll gepriesen werden wie Manfred Eicher. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

FMP steht für Free Music Production, und Gebers ist es zu verdanken, dass der Free Jazz hier eine Heimat gefunden hat, die ihm mit Sicherheit verweigert bliebe, wenn nur kommerzielle Kriterien als Maßstab angelegt würden. Der Free Jazz war immer die Musik einer kleinen Minderheit, und die ist in den vergangenen Jahren nicht gewachsen. Jost Gebers aber und FMP ließen sich nicht beirren. Sie blieben ihrer Überzeugung treu, verzichteten auf Kompromisse, entschieden sich für eine Redlichkeit, die im kapitalistischen Alltag obsolet erscheint und der man auch dann Respekt zollen muss, wenn man diese Überzeugung selbst nicht teilt.

 

Jetzt hat FMP eine ebenso schlichte wie schöne Box herausgebracht, die mit 12 exemplarischen CDs und einem Begleitbuch die Arbeit der vergangenen vier Jahrzehnte dokumentiert. Sie deckt sich weitgehend mit der Geschichte des Total Music Meetings, das alljährlich in Berlin einen Kontrapunkt zum Jazzfest liefert. Wie sehr der Free Jazz von der ewigen ökonomischen Misere bedroht ist, lässt sich daran ablesen, dass das Total Music Meeting 2009 wegen der Unterfinanzierung abgesagt werden musste. Dass überhaupt mit öffentlichen Geldern von allerdings lächerlich geringem Ausmaß ausgeholfen wird, ruft schon den Neid und säuerliche Kommentare mancher Konkurrenten hervor, die sich lieber den Gesetzen des Marktes unterwerfen als sich in der Forderung nach einer Jazzförderung zu solidarisieren, die diesen Namen verdient.

 

Auch ein Dutzend CDs muss sich beschränken

Die 12 CDs bieten einen repräsentativen Querschnitt durch das Programm von FMP. Da trifft man auf Peter Brötzmann, im Solo und im Quartett, auf die phänomenale Pianistin Irene Schweizer, auf Steve Lacy, auf den Ausnahmebassisten Peter Kowald, auf Tristan Honsinger, auf Radu Malfatti, auf Fred Van Hove, auf die Combos Manuela und Manfred Schulze Bläser Quartett, auf Alex Schlippenbach sowie sein Globe Unity Orchestra mit Gästen, zu denen die Creme des Free Jazz und angrenzender Bereiche – Kenny Wheeler gehört ebenso dazu wie Albert Mangelsdorff oder Enrico Rava – zählt. Auch ein Dutzend CDs muss sich beschränken. Der Fan mag den einen oder anderen Musiker, die eine oder andere Formation vermissen, namentlich Cecil Taylor, um dessen Werk sich FMP kontinuierlich und liebevoll bemüht hat.

 

Das prachtvolle großformatige Begleitbuch mit zahlreichen aussagekräftigen Fotos von Dagmar Gebers enthält in deutscher und englischer Sprache Aufsätze teils persönlicher, teils sachlicher Art sowie eine umfangreiche Dokumentation der Künstler, der Projekte und des Gesamtprogramms von 1969 bis 2010.

 

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