James Blake lässt den Beat noch weiter hinter sich. Diese Platte noch mit Blakes´Dub Step- Wurzeln in Zusammenhang zu bringen, dürfte potentielle Neuhörer eher verwirren als informieren und Dub Step-Nerds vielleicht gar nerven. Nur weil da hin und wieder ein paar tiefe Bässe vorbeiwehen, muss das nicht unbedingt (Post-/Soul-/Vocal-/) Dubstep genannt werden. Interessant ist, wie hier Klavier und - teils mehrstimmiger- Gesang, der soulig bis gospelartig daherkommt, auf diverse elektronische Spielereien treffen, und dabei noch ausreichend Platz bleibt für äußerst effektvolle Momente der Stille. Wie etwa in der auffällig gelungen Remixversion von Feists Limit to your love.
Es ist eine seltsame Situation. Diese auf den ersten Eindruck nicht wirklich „einfachen“ Alben zweier bis vor kurzem nicht bekannter Musiker werden durch die Bank so dermaßen abgefeiert, dass es tatsächlich jetzt schon klar ist, dass sie in zahlreichen Bestenlisten des Jahren 2011 landen werden. Dass so mancher Kritiker Anfang Februar bereits von seinem Album des Jahres spricht, ist - bei aller Begeisterung - angesichts zigtausender dieses Jahr noch ausstehender Veröffentlichungen dennoch etwas zum Schmunzeln. Allerdings: die Musik ist trotz des Hypes wirklich sehr gut und auch für Leute, denen angedeutete Genres eher Wurst sind, wert gehört zu werden. Taugt unter dem neuen Kopfhörer auf der Couch mindestens genauso gut, wie in welchen Club auch immer! Das ist spannende, emotionale Musik einer Generation, die sich mutig aller möglichen Quellen und Einflüße bedient. E oder U, Track oder Song, Instrumente oder Samples – vieles ist möglich, ohne dass das Ergebnis beliebig wirken muss. Kontextverschiebungen und vermeintliche Widersprüche (Piano in der elektronischen Musik, Tanzmusik - aber langsam, etc.) ergeben sich teils spielerisch, teils konstruiert, spielen aber oft in der Marktpositionierung eine größere Rolle, als für den Hörgenuss.
