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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:07

Nicolas Jaar: Space is only noise / James Blake: same

10.02.2011

Für manche ist das Jahr schon rum!

Sie sind nicht nicht zwingend an Dancefloor-Erneuerungen und Dubstep-Weiterentwicklungen interessiert? Hypes und Superlativen gegenüber eher skeptisch? Aber durchaus mit offenen Ohren ausgestattet? Dann hören sie in diese beiden Alben (trotzdem) rein! Von TOM ASAM

 

Die beiden Veröffentlichungen weisen einige Parallelen auf. Es handelt sich um zwei sehr junge,  hippe Musiker, die uns den neuen, heißen Scheiß aus der - noch hipperen - Metropole (New York/ London) in die Provinz schicken. Beide sind seit Monaten großes Thema auf zahlreichen internationalen Musikblogs. Nun überschlagen sich auch die hiesigen Musikkritiker vor Freude. Interessant dabei, dass Nicolas Jaar wiederholt dafür als Erneuerer gefeiert wird, dass er Dancefloor-Musik macht, die mit gerade mal 90 bpm (beats per minute) auskommt; Blake hingegen für seine Weiterentwicklung in Sachen Dubstep.

 

Das sind Beschreibungen, die manch potentiellen Hörer vielleicht abhalten, und die in ihrer Focussierung auf den Aspekt Beat auch nur bedingt zielführend sind. Elektronische Musik mit niedrigerem Tempo ist beileibe nichts Neues, Jaars Musik auf Space is only noise streckenweise nicht wirklich das, was man sich für den Club vorstellt – und schließlich ist er ja auch niemand den wir jetzt seit Jahren alle dafür lieben, dass er uns four-to-floor Dance-Kracher um die Ohren haut. Beats stehen hier nicht wirklich im Vordergrund, sondern neben Piano-Klängen, Samples und (teils französischem) Vocals. Die famose Ray Charles Adaption I got a woman muss ich nicht zwingend auf einer Tanzfläche erleben.

 

James Blake lässt den Beat noch weiter hinter sich. Diese Platte noch mit Blakes´Dub Step- Wurzeln in Zusammenhang zu bringen, dürfte potentielle Neuhörer eher verwirren als informieren und Dub Step-Nerds vielleicht gar nerven. Nur weil da hin und wieder ein paar tiefe Bässe vorbeiwehen, muss das nicht unbedingt (Post-/Soul-/Vocal-/) Dubstep genannt werden. Interessant ist, wie hier Klavier und - teils mehrstimmiger- Gesang, der soulig bis gospelartig daherkommt, auf diverse elektronische Spielereien treffen, und dabei noch ausreichend Platz bleibt für äußerst effektvolle Momente der Stille. Wie etwa in der auffällig gelungen Remixversion von Feists Limit to your love.

 

Es ist eine seltsame Situation. Diese auf den ersten Eindruck nicht wirklich „einfachen“ Alben zweier bis vor kurzem nicht bekannter Musiker werden durch die Bank so dermaßen abgefeiert, dass es tatsächlich jetzt schon klar ist, dass sie in zahlreichen Bestenlisten des Jahren 2011 landen werden. Dass so mancher Kritiker Anfang Februar bereits von seinem Album des Jahres spricht, ist - bei aller Begeisterung - angesichts zigtausender dieses Jahr noch ausstehender Veröffentlichungen dennoch etwas zum Schmunzeln. Allerdings: die Musik ist trotz des Hypes wirklich sehr gut und auch für Leute, denen angedeutete Genres eher Wurst sind, wert gehört zu werden. Taugt unter dem neuen Kopfhörer auf der Couch mindestens genauso gut, wie in welchen Club auch immer! Das ist spannende, emotionale Musik einer Generation, die sich mutig aller möglichen Quellen und Einflüße bedient. E oder U, Track oder Song, Instrumente oder Samples – vieles ist möglich, ohne dass das Ergebnis beliebig wirken muss. Kontextverschiebungen und vermeintliche Widersprüche (Piano in der elektronischen Musik, Tanzmusik - aber langsam, etc.) ergeben sich teils spielerisch, teils konstruiert, spielen aber oft in der Marktpositionierung eine größere Rolle, als für den Hörgenuss.

 

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