Zu dieser Tournee, die am 17. Februar in Jenbach in Tirol beginnt, durch Deutschland und Polen führt und Anfang März dort endet, wo sie hingehört, nämlich mit fünf Konzerten am Wiener Franz-Josefs-Kai im traditionsreichen und selbst in Zeiten des Rauchverbots noch stimmungsvollen Jazzland, dem Nachfolger von Art Club, Fatty‘s Saloon, Tabarin, Chattanooga oder Josefinum, hat die Formation eine Doppel-CD produziert, deren Titel aussagekräftig – Achtung, Manfred Eicher! – The Essence Of Silence heißt.
Chico Freemans Saxophon klingt stets klar, trocken, nur selten steigert es sich zu expressiven Eskapaden oder zu jenem Sound, den vor allem Frauen sexy finden. Am ehesten erinnert es an Lee Konitz, obwohl der das Altsaxophon bevorzugt hat, während Freeman Tenor- und Sopransaxophon bläst. Aber nicht nur er, das ganze Quartett schließt, unbekümmert um Zeitströmungen, ungeniert dort an, wo Bebop und Cool aufeinander trafen – gelegentlich wird der Begriff des »Modalen Jazz« verwendet. Und das ist so zeitlos wie Bach, Mozart und Bartók. Das Schöne am Jazz ist ja, dass er Egomanie bestraft. Wenn improvisierende Musiker nicht auf einander eingehen, wird nichts daraus. Aber die Bescheidenheit und Unterordnung unter das gemeinsame Musizieren bedeuten nicht, dass die einzelnen Beteiligten nichts zu bieten hätten. In den Soli wird das am ehesten erkennbar, aber auch im kollektiven Spiel »stimmt« jede Note, jede Zutat der Rhythmusgruppe. Man höre nur genau hin, mit welchem Erfindungsreichtum Pauers rechte Hand Läufe erfindet, wie seine linke Hand Akkorde setzt. Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden heißt ein berühmter Aufsatz von Kleist. Über die allmähliche Verfertigung von Musik beim Spielen müsste die Formel für solchen Jazz lauten. Das ist technisch perfekt, aber niemals bloße Routine. Und Freeman verwechselt musikalische Substanz niemals mit leerer Virtuosität, mit oberflächlichen Reizen.