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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:08

The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble: same - The Mount Fuji Doomjazz Corporation: Anthropomorphic

17.02.2011

Eine essentielle Wiederveröffentlichung und die Live-Korporation eines Ensembles

Man muss nicht zwingend Jazz- oder Filmfreak sein, um an der Musik des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles Freude zu haben. Die Bereitschaft, sich mal eine Weile auf einen Input zu konzentrieren und sich auf Neues einzulassen, helfen allerdings auf dem Weg zum vollen Genuss, meint TOM ASAM.

 

Dieses besondere Ensemble wurde im Millenium-Jahr von Jason Köhnen und Gideon Kiers, beide Absolventen der Utrechter School of Arts, gegründet. Und zwar mit der Intention, neue Musik für Stummfilmklassiker wie Murnaus Nosferatu oder Langs Metropolis zu komponieren. 2004 kam mit dem Briten Hilary Jeffery (Posaune) und der schweizerischen Cellistin Nina Hitz Verstärkung hinzu. In dieser Formation entstand dann im Jahr 2006 das jetzt wiederveröffentlichte Debut-Album von The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble. Nach kurzer Eingewöhnungsphase zieht einen diese Musik unwiderruflich in ihren Bann und lässt einen nicht mehr los. Die Kombination aus elektronischen Drone-Sounds und akustischen Instrumenten ist derart gelungen, dass sie völlig organisch und selbstverständlich daherkommt. Auch wenn die Kompositionen alles andere als Standardware sind, wirkt hier nichts selbstreferentiell oder effekthascherisch. Die dabei transportierte Düsternis wirkt keinesfalls als Limitierung jedweder Lebensfreude, sondern inspirierend in einer sehr subtilen Art und Weise. Irgendwo zwischen dem Cinematic Orchestra und dem Slow Motion Horror-Jazz der deutschen Bohren und der Club of Gore haben diese Musiker eine Nische gefunden, die sie in Perfektion ausfüllen. Das einzige, was ich an dieser (jetzt auch erstmals auf Vinyl erhältlichen) Scheibe zu bemäkeln habe, ist dass sie sich nicht schon seit fünf Jahren in meiner Sammlung befindet. So gesehen handelt es sich für mich persönlich um einen der seltenen Fälle eines instant-Klassikers.

 

The Mount Fuji Doomjazz Corporation ist quasi die improvisationsfreudige Auswärts-/Livemannschaft des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles. Da die Mitglieder des seit den Aufnahmen zu oben beschriebenem Werk weiter gewachsenen Ensembles in verschiedenen Ländern zu Hause sind, ist das Touren in einer gleichbleibenden Besetzung schwierig zu organisieren. Man macht hier aus der Not eine Tugend indem man die Kerntruppe bei jedem Auftritt um illustre Gäste ergänzt. Wenngleich Anthropomorphic in drei Teilen auf Bühnen in Utrecht, Wroclaw (Polen) und Moskau entstanden ist, erscheint es als organische Einheit. Die hypnotische Stunde ambient/doom/drone/improv-Vergnügen beginnt mit Hillary Jefferys Posaune. Überträgt man den Anthropomorphismus (das Zusprechen menschlicher Eigenschaften auf Tiere,Götter, Naturgewalten - in unserem Fall ist diese tierisch gute, göttliche Musik eine Art Naturgewalt!) auf das musikalische Geschehen, sind diese Posaunenstösse als erste Atemzüge eines zunehmend komplexer agierenden Wesens zu verstehen. Körperliche Gitarrenschichten werden aufgetragen, elektronische Elemente hinzugefügt, Cello und Violine setzen Kontraste. Körper und Seele - mind against body. Schließlich fügen sich auch Bass, Drums und spärliche Vocals in das komplexe Soundorgan. Wie ein menschliches Wesen hat auch die Doomjazz Corporation eine gewisse Grundausrichtung und beschränkte Mittel zur Gestaltung. Der grobe Weg ist vorgezeichnet, das wahre Leben nimmt aber in seiner individuellen Komplexität immer wieder neue Wendungen, bei denen auch der Zufall und der freie Wille zu ihrem Recht kommen. Wenn auch nicht immer im vollen Bewusstsein - wir lieben dieses Leben. Zum Beispiel beim Genuss einer Stunde Musik, die erhebend ist wie der Aufstieg zum Mount Fuji.

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