Wenn man sich als Spätgeborener in die Berichte über die Zeit der 70er Jahre in New York einliest, setzt sich im Kopf ein Bild zusammen, dass schwer mit der Tatsache in Einklang zu bringen ist, dass das alles erst 35 Jahre zurückliegt. Ganze Stadtteile dümpelten verwahrlost vor sich hin und glichen fast Kriegsgebieten - boten aufgrund niedrigster Mietpreise aber auch große Freiheit und waren Nährboden einer urbanen Bohemia. Als sich in New York gegen 1978 etwas entwickelt, dass den Stempel No Wave aufgedruckt bekommt, hat jede „normale“ Familie die heruntergekommenen innerstädtischen Gegenden verlassen. Wie Simon Reynolds in seinem Post-Punk-Standard-Werk „Rip it up and start again“ beschreibt, verlagert sich die Szene der Kreativen um diese Zeit gerade von Soho in die Lower Esat Side (LES). Lunch kommt als jugendliche Ausreißerin in diesen düsteren Schmelztigel und wird quasi adoptiert von Martin Rev und seinen Legendären Suicide – eine apokalyptische Erscheinung zwischen Punk und minimalistischer Elektronik, die in den letzten Jahren groß wiederentdeckt und mehrfach durch Samples von ihrem genialen 77er Debut geadelt wurde.
Sie gründet zusammen mit James Chance die kurzlebigen Teenage Jesus and the Jerks. Change gründet bald James Change and the Contortions (der auf einer 1979 auf ZE-Records erschienenen 12“ kurioserweise in zwei Songtiteln Verbindungen zu Deutschland herstellt: Schleyer´s Tires + Mc Graw Army Base/ Munchen – zu einer Zeit als allenfalls Berlin interessant schien, so auch für Lunch durch Zusammenarbeit mit den Einstürzenden Neubauten). 1978 bringt Brian Eno die Legendäre No New York-Compilation heraus, eine Veröffentlichung bei der er vier Bands die Möglichkeit gibt sich mit je vier Stücken zu präsentieren. Es sind sowohl Teenage Jesus als auch die Contortions vertreten, dazu DNA und Mars. Wie der Name No Wave anklingen lässt, ist eine musikalische Einordnung schwierig, da man sich von der schon schwer zu definierenden New Wave auch noch lossagt. Die genannte Compilation ist dann auch schon Höhepunkt eines speziellen Ausschnittes des großen Feldes Postpunk. Anfang der 80er differenzierte sich die Szene in eine tanzbarere Variante, derer sich unter anderem genanntes ZE-Label widmete und gitarrenorientierte Bands wie Sonic Youth.