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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:10

Stateless: Matilda & Frivolous: Meteorology

24.02.2011

Gladiolen - für die Staatenlosen und Frivolen

Das Popereignis der Woche mag ja die ganz kurzfristig angekündigte Download-Variante des neuen Radiohead-Albums The King of Limbs sein. Die Gefahr solch hell leuchtender Gestirne ist, dass man die Schönheit etwas unspekatulärer Sternbilder gar nicht wahrnimmt, oder die ein oder andere Sternschnuppe verpasst. Deshalb seien hier statt Radiohead zwei wunderbare Neuerscheinungen vorgestellt, die - hat man sie wahrgenommen - auch beachtliche Strahlkraft entwickeln.  Von TOM ASAM

 

Die fünfköpfige Formation Stateless aus Leeds setzt nach ihrem 2007 er Debut nun zum großen Sprung an. Mit Matilda haben die Staatenlosen einige Trümpfe in der Hand. Zum Beispiel Björk-Produzent/Programmierer Damien Taylor. Oder jede Menge Gäste, die man so am Wegrand kennenlernte. In diesem Fall kann man stateless einfach nur positiv im Sinne von international verstehen, nicht als Mangel einer Identität, Matilda ist das Ergebnis einer musikalischen Reise und vieler Mitbringsel. Die Mischung aus Downbeat, folkloritischen Elementen, R&B-Annäherungen und melancholischem Pop ist absolut prächtig. Wenn Sänger Chris James sagt „it´s a proper album. It works as a whole. I want people to do the Pink Floyd thing, and listen to it from start to finish really loud ongoos headphones“ kann ich dem nur beipflichten. Wer erstmal reinhören möchte, sollte aber bei Ariel einsteigen: das beginnt mit fernöstlichen Klängen, zu denen sich ein fetter Subbass gesellt, dazu  kommen wunderbare Vocals und ein ausgereiftes Songwriting. Schön auch I´m on fire, ein ruhiges Duett mit Shara Worden, Sängerin von My brightest Diamond. Contemporary R&B klingt für mich insgesamt eher als Drohung, nicht so bei ballad of ngb, einem Song der nicht nur mit der schönen Zeile dancing in the kitchen, cooking up a snowstorm (versteh´ich zumindest) gefällt. Auf  Song of the Outsider kommt die string group der renommierten World-Music-Formation Balanescu Quartet zum Einsatz, inklusive einem furiosen Finale von Violinist Alex Balanescu. So, jetzt aber von vorne, raus mit den Kopfhörern.

 

Bescheiden gibt sich der in Berlin ansässige Kanadier Daniel Gardner unter der Flagge Frivolous. Der Schriftzug erscheint auf der CD deutlich kleiner als der auch nicht gerade ins Auge stechende Albumtitel Meteorology, so dauerte es eine Weile bis mir klar war, was hier der Bandname ist. Auch Gardner scheut Genreverschränkungen keinesfalls. Der gelernte Pianist verbindet jazz-inspirierten House mit experimentellen Passagen und schafft es dabei exotisch und emotional zugleich rüberzukommen. Die spezielle Atmosphäre des Albums spiegelt dessen Entstehungsgeschichte wider. Berlin mag zwar noch so hip und für Künstler erschwinglich sein. Aber es gibt da halt auch Einheimische, deren Schnauze nicht Jeder gewachsen ist, dazu bedenkliche kulinarische wie metereologische Aspekte. Auf alle Fälle war Gardner heilfroh, als er die Möglichkeit hatte, die Aufnahmen zu diesem Album auf einer – mir nicht namentlich bekannten – Insel im pazifischen Ozean aufzunehmen. Das förderte zwar erstmal die Kreativität, aber wie immer taucht halt ein Haken auf, wenn wir uns im Paradies wähnen. Gardners Freundin, die sich für den letzten Monat des Inselaufenthalts angekündigt hatte, schickte einen Tag vor ihrem geplanten Flug eine „Beziehungskündigung“ per Mail. Wir wollen mal hoffen, die Sache ging noch gut aus, die emotionale Karussellfahrt tat dem Album auf alle Fälle gut, Meteorology ist so abwechslungsreich wie das Frühlingswetter in Berlin, die Songtitel reichen vom euphorischen Cinemascopique bis zum einsamen cryin´.

 

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