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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:13

Snowing: Could Do Whatever I Wanted If I Wanted

01.03.2011

»Hey, fuck yeah, I´m alright tonight!«

Snowing dürften den wenigsten deutschen Hörern bekannt sein. Und das obwohl die mittlerweile dritte Auflage der ersten EP restlos ausverkauft ist und der Gratis-Download ihres Debütalbums den Server ihres Labels zum Zusammensturz brachte. KRISTOFFER CORNILS über ein Phänomen, das wohl nur langsam seinen Weg nach Deutschland finden dürfte, das man aber nicht verpassen sollte.

 

Alles fing so an: Mitglieder der legendären Street Smart Cyclist und Boys & Sex fanden sich zusammen, um ein wenig Musik zu machen. Alles ging so weiter: Die erste EP der frischen Band Snowing wurde nicht nur oft, sondern verkaufte sich auch wie Bibeln vor dem Weltuntergang. Die erste Pressung der Debüt-LP der Band, I Could Do Whatever I Wanted If I Wanted ist wieder kurz vor dem Ausverkauf – drei Monate, bevor sie erscheint. Die kostenfrei von der Band bereitgestellten Dateien des Erstlingswerk wurden innerhalb weniger Stunden 17 000 mal heruntergeladen. Serverabsturz beim zuständigen Label, Square Of Opposition.

 

Was aber macht die kleine US-amerikanische Band zu einem solchen Phänomen? Snowing kombinieren Traditionen, die im Moment sehr häufig bedient werden. Da wäre einmal der traditionelle Midwest Emo der 90er, der nah am Indie-Rock liegt mit seinen harmonischen Wohlfühlakkorden, da wäre der Math Rock mit seiner Verkopftheit und seinen extatischen Melodieexzessen oder da wäre auch der Pop-Punk mit seinen mitreißenden Hooklines und seiner harmonielastigen Straightheit.  Es gibt viele Bands, die sich aus diesen drei Gebieten beziehen und sie kommen fast alle aus derselben Gegend wie Snowing. In Philadelphia befindet sich grade das Epizentrum des Genres, welches sich im Internet zusehends unter dem nicht ganz ernst gemeinten Namen Twinkle Daddies verbreitet. Konkurrenz gibt es als en masse. Selbst textlich heben sich Snowing nicht sonderlich von anderen jungen Bands ab. Von Verliebtheiten bis Trennungen, vom Tod bis Suizidfantasien, von Sauf- bis Katergeschichten, popkulturellen Referenzen und Bezüge auf den eigenen Freundeskreis: Alle Klischees werden bedient, alle Register des Kitsch gezogen.

 

Keine Sekunde angebiedert

Trotzdem: Irgendwann lässt man alles stehen und liegen, um ein paar Snowing-Lyrics mitzusingen, so laut wie nur irgend möglich. Sätze wie »I’ll do my best to live my life without regrets« oder auch »Hey, fuck yeah, I’m alright tonight!« Was die Band ausmacht, was sie so faszinierend und unendlich sympathisch macht, ist ihre absolute Aufrichtigkeit. Das ganze Bandbreite an hippen Einflüssen, die auch mal bluesige Noten aufweisen, resultiert in einem Sound, der zwar kein Novum darstellt und trotzdem keine Kompromisse macht. Snowing wollen weder mit ihrer Empfindsamkeit hausieren gehen noch musikalische Größe beweisen, noch feierbare Party-Smasher unter das Volk bringen. Snowing machen die Musik, die sie wollen und singen über die Sachen, die sie wollen. Und eine Band, die niemandem etwas beweisen will, kann nicht nur all ihre Songs umsonst anbieten und wird trotzdem gekauft, sondern kann gefällig sein, ohne sich für eine Sekunde anzubiedern.

 

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