Alles fing so an: Mitglieder der legendären Street Smart Cyclist und Boys & Sex fanden sich zusammen, um ein wenig Musik zu machen. Alles ging so weiter: Die erste EP der frischen Band Snowing wurde nicht nur oft, sondern verkaufte sich auch wie Bibeln vor dem Weltuntergang. Die erste Pressung der Debüt-LP der Band, I Could Do Whatever I Wanted If I Wanted ist wieder kurz vor dem Ausverkauf – drei Monate, bevor sie erscheint. Die kostenfrei von der Band bereitgestellten Dateien des Erstlingswerk wurden innerhalb weniger Stunden 17 000 mal heruntergeladen. Serverabsturz beim zuständigen Label, Square Of Opposition.
Was aber macht die kleine US-amerikanische Band zu einem solchen Phänomen? Snowing kombinieren Traditionen, die im Moment sehr häufig bedient werden. Da wäre einmal der traditionelle Midwest Emo der 90er, der nah am Indie-Rock liegt mit seinen harmonischen Wohlfühlakkorden, da wäre der Math Rock mit seiner Verkopftheit und seinen extatischen Melodieexzessen oder da wäre auch der Pop-Punk mit seinen mitreißenden Hooklines und seiner harmonielastigen Straightheit. Es gibt viele Bands, die sich aus diesen drei Gebieten beziehen und sie kommen fast alle aus derselben Gegend wie Snowing. In Philadelphia befindet sich grade das Epizentrum des Genres, welches sich im Internet zusehends unter dem nicht ganz ernst gemeinten Namen Twinkle Daddies verbreitet. Konkurrenz gibt es als en masse. Selbst textlich heben sich Snowing nicht sonderlich von anderen jungen Bands ab. Von Verliebtheiten bis Trennungen, vom Tod bis Suizidfantasien, von Sauf- bis Katergeschichten, popkulturellen Referenzen und Bezüge auf den eigenen Freundeskreis: Alle Klischees werden bedient, alle Register des Kitsch gezogen.