Thomas Kistner: Fifa-Mafia Frankie Chavez: Family Tree von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Freitag, 25. Mai 2012 | 12:14

Kreidler: Tank

03.03.2011

Zwischen den Zeiten

Da Gadaffi sich leider zur Faschingszeit nicht damit begnügt, diverse Faschingsbälle (mögliches Motto: »come as you are«) zu besuchen, gibt es scheinbar gleich wieder einen Grund, den Spritpreis zu erhöhen. Deshalb gönnen sie sich dieser Tage besser mal einen Tank voll Kreidler! Von TOM ASAM

 

Die 1994 in Düsseldorf gegründete Band Kreidler kann man durchaus in der Linie von Düsseldorfer Bands wie Neu!, Kraftwerk und La Düsseldorf sehen. Schlagworte: Krautrock und Elektronik. Gerade ihre ersten Veröffentlichungen wurden entweder als Fortsetzung eines Krautrocksounds oder aber als Postrock bezeichnet. Einflüsse des britischen Postpunks wurden bei späteren Werken gerne assoziiert. Und obwohl - oder garade weil - Kreidler einen eigenen Ausdruck haben, sind sie in der Lage, auf jedem Album einen anderen Ansatz zu präsentieren. Das Cover des aktuellen Albums zeigt nicht nur ein Werk von Andro Wekua und damit Kreidlers Bezug zur Kunstszene, sondern versinnbildlicht auch die musikalische Ausdruckskraft der Band. Wie die bearbeitete Photographie eines Dummies steht auch Kreidlers Musik undefinierbar zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und lässt oft nicht sofort erkennen: Mensch oder Maschine? Beim  großartigen, 2009 erschienenen Album Mosaik war man, wie geplant, schnell mit den Aufnahmen fertig, das digitale Mischen nahm dann aber noch ein ganzes Jahr in Anspruch.

 

Diesmal war der Tank wirklich schnell gefüllt: Fünf Tage Aufnehmen, drei Tage Mischen – und zwar analog. Anderes Vorgehen, gleichbleibend beeindruckend das Ergebnis. Tank ist düsterer und direkter, aber genauso magisch. Bass, Gitarre, Schlagzeug, Elektronik. Fertig. Diese, wieder zum Quartett angewachsene Band ist so präzise und organisch zugleich, dass man aus dem Staunen kaum noch rauskommt. Beim Konzert zu Mosaik in der Münchner Roten Sonne standen unverständlich wenige Leute vor der Bühne – allerdings überwiegend entrückt, andächtig und mit der Kinnlade am Boden. Ein außergewöhnliches Erlebnis! Ein derartiges Sounderlebnis aber auf Tonträger zu übertragen, das gelingt verdammt selten. Bewertung: 5 (von 5) Kanister.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Unser Lieblingssufi live!!

06.06. Aachen, Musikbunker
07.06. Hannover, Musiktheater Bad
19.06. Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.06. Berlin, Gretchen
21.06. Leipzig, UT Connewitz
22.06. ...

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Valium im schwarzen Anzug

Die MIB-Filmreihe von Regisseur Barry Sonnenfeld komplettiert sich nun zur Trilogie und tischt dem Zuschauer das Alte vom Vortag nochmal neu auf – nur diesmal in 3D. Lasst euch vom ...

Licht wo zu viel Schatten lag

Jetzt mal ehrlich, das Buch Fifa-Mafia von Thomas Kistner ist keine einfache Kost. Zu ungebremst und schnörkellos werden einem hier schallernde Fakten um die Ohren gehauen. ...