Dikta: Get It Together / Scams: Rewrite Fiction / The Van Jets: Cat Fit Fury!
17.03.2011
Euroland
In ihren Heimatregionen Island, England und Belgien haben folgende Kapellen schon mächtig Staub aufwirbeln können. Nun wagen sie den nächsten Schritt und veröffentlichen international. Ob es sich lohnt, die Namen Dikta, Scams und The Van Jets ins musikalische Langzeitgedächtnis zu speichern, hat DAVID EISERT geprüft.
Island liebt dich!
Zumindest dann, wenn du zu den coolen Jungs gehörst, die ihr Islandpony vorm Proberaum von Dikta anbinden dürfen. Das hier vorliegende Album Get It Together hat fast zwei Jahre auf dem Buckel und die vier Herren Haukur, Jón, Jón und Skúli wurden im letzten Jahr dafür schon mit einem »Iceland Music Award« als »Most Popular Band« geadelt. Nun darf sich der Rest Europas von den Fähigkeiten der Nordmänner überzeugen. Und die sind durchaus hörenswert. Die Band, deren Mitglieder seit Kindertagen gemeinsam um die Geysire ziehen, besteht seit 1999. Bereits 2002 konnte sie mit ihrer ersten Veröffentlichung die musikverrückte Insel vollends begeistern. Damals noch auf Isländisch, kletterte man bis auf Platz 1 der Charts und wurde im Radio rauf und runter gespielt. Das wiederum beeindruckte Skunk Anansie’s Ace derart, dass er sich für das zweite Album als Produzent anbot. Was sich auch nicht wirklich negativ auf die weitere Karriere der Jungs auswirkte. Nun also der dritte Streich – und auch hier flippen die Isländer völlig aus. Die Single Thank You gilt mittlerweile als der am häufigsten im isländischen Radio gespielte Song aller Zeiten. Und mit was? Mit Recht! Dikta suchen den großen, den leidenschaftlichen Popsong mit klischeefreien Melodien und prägnanten Hooklines. Mal massiv und mächtig, dann wieder zurückhaltend und dezent. Mit einem Gespür für Dramatik, das mich an Morrissey erinnert und wuchtigen Riffs, die wiederum in Richtung Coldplay gehen. Bei akustischen Nummern schimmert etwas Turin Brakes durch oder auch Spandau Ballet. Funktioniert wunderbar; im Mai auf Tour und live sicher noch viel besser als im Radio!
More Wine Waiter Please
Auch die junge Band Scams hat schon vor dem Erscheinen des Debüts einen wichtigen Preis mit in den Übungsraum nehmen können. Sie dürfen sich auf ihren Briefkopf voller Stolz den Titel der »besten UK Band des SXSW Festivals, Austin / TX« und der »best emerging band« des Liverpool Sound City Festivals drucken – und das ist doch ein Pfund. Andere schaffen’s nicht mal aus dem Norden Englands, geschweige aus Leeds, raus zu kommen. Wer so schwer unterwegs ist, der geht natürlich nicht ins Studio um die Ecke. Aufgenommen wurden die 12 Songs von Rewrite / Fiction im »Cloud Hill Recordings Studio« in Hamburg. Produzent Johann Scheerer ist es dabei gelungen, die Spielfreude und die Live-Power der Band ohne Reibungsverlust auf’s Band und damit auf die CD zu bringen. Youngblood, Helicopter Parents oder Lost For Words gehen derart steil, dass man sofort ein Pint und noch eins und noch eins bestellen und die Band feiern, feiern, feiern möchte. Das Schlagzeug treibt nach vorne, der Bass pumpt und die beiden Gitarren zocken fette Riffs und feine Melodien. Zur Mitte der Scheibe nehmen Andy Morgan und Mitstreiter dann aber ein wenig die Geschwindigkeit raus, ohne den Energielevel oder die Tanzbarkeit zu bremsen. Wer seine Lieder immer um die magische drei-Minuten-Grenze herum komponiert, kann eh wenig falsch machen. Mit A Kiss und einem süßen Duett zusammen mit Caroline Gaske von Stella gibt es noch einen kleinen Hit zum Abschluss. Einzig das Cover Artwork ist nicht sehr gelungen, erinnert es doch stark an die unsäglichen Fantasycover der Progmetalbands, die in den 90ern vom InsideOut Label u.a. vertrieben wurden. Aber das nur am Rande.
Nicht so süß wie Schokolade
The Van Jets aus Belgien haben auch schon was gewonnen, na ja fast was gewonnen. Sie erhielten laut Biografie zwei Nominierungen für die belgischen »Music Industry Awards« und eine Nominierung für die »European MTV Awards«. Aber »Dabei sein« ist ja bekanntlich alles und ein echter Rock’n’Roller würde sich lieber den Arm abhacken als beim Sparkassennachwuchswettbewerb den Titel der »blauesten Bluesband« oder ähnlichen Quatsch zu erhalten. Wobei – die Jungs tragen den angesehensten Rocktitel Belgiens, »Humo’s Rock Bally« auf ihren Wappen. Was man alles so gewinnen kann, wenn man nicht höllisch aufpasst. Über die Musik ist jetzt noch nichts gesagt worden. Aber durch derlei Staffage muss man sich auch erstmal zum ersten Song vorarbeiten. Soundmäßig schielen die vier Belgier mit einem Auge auf die Insel, mit dem anderen nach Schweden. Ruppiger aber nicht stumpfer Rock, Soul, Mod Sound mit vielen Ideen und Klangexperimenten. Mando Diao, The Hives, The Who, Led Zeppelin und auch etwas Spacerock a la Pink Floyd (z.B. bei Our Heads) verschmelzen auf Cat Fit Fury! zu gut 40 hochenergetischen Minuten die dem Hörer straight und ohne Mätzchen um die Ohren gehauen werden. Mit The Future und Damage gibt’s sogar zwei Hits zum abfeiern.

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