Hannes Wittmer ist der bürgerliche Name des jungen Mannes, der sich in Anlehnung an einen Comic-Charakter Spaceman Spiff nennt. Mit seinem, für einen Mann des Alls einleuchtenden Namen Bodenangst betitelten Debut, konnte er sich schon eine Menge Freunde machen. Mit und im fenster immer noch wetter wird sich der mittlerweile in Hamburg lebende Würzburger wohl endgültig als ernstzunehmender Vertreter einer neuen Generation deutscher Songwriter – oder »Liedermacher« – etablieren können.
Seine Lieder sind Momentaufnahmen des normalen Lebens zwischen melancholischem Grübeln und kleinen Glücksmomenten. »Befindlichkeitspop« wird so etwas wohl gerne genannt, was aber eher abwertend klingt. Wenn gewisses Pathos auf deutsche Texte trifft, beschäftigt man sich in nicht wenigen Fällen auch zurecht mit dem Phänomen des Fremdschämens. Der Spaceman erspart uns derartige Empfindungen. Die Gleichung Mann + Gitarre führt hier vor allem deshalb zu einem gewünschten Ergebnis, weil die Texte aus dem Herzen, dem Bauch und dem Hirn gleichzeitig zu entspringen scheinen. Persönliches wird anschaulich und poetisch zugleich verarbeitet. »Woanders bin ich wer gewesen, hier wird ich irgendjemand sein« heißt es im den neuen Lebensmittelpunkt beschreibenden Hamburg. »Ich bin mir sicher wann, ich bin mir sicher wo, ich bin mir sicher wie, ich weiß nur nicht ob…« singt Wittmer in Irgendwo ist immer woanders.
Stellenweise ist man an Phillip Poisel erinnert, Wittmers Stücke bleiben allerdings etwas karger und haben nicht Poisels Popappeal. Neben ruhigen Gitarrenstücken gibt es auf und im Fenster immer noch wetter jedoch auch aufwändiger instrumentierte Stücke. Wittmer greift unter anderem zum Banjo, zum Klavier (»dilettantisch«), zum Glockenspiel (»rückwärts«) oder zum »Siemens Lady.« Zudem wird er durch einige Mitstreiter unterstützt. Abgerundet wird das gelungene Album durch eine eigenständige und ansprechende Cover- und Bookletgestaltung.
