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Freitag, 25. Mai 2012 | 12:19

Yucca: Make Up / ENIK: I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece

17.03.2011

Zwei mal zwei

Zwei Popmusikexperimentalgruppen aus dem Bundesland Bayern veröffentlichen zeitnah ihren jeweils zweiten Langspieler. Ob das nur Zufall ist, sollen die professionellen Verschwörungstheoretiker beurteilen. Auch wenn Hersbruck und München gefühlte Welten trennen, von der Klangfarbe passt es irgendwie doch zusammen. Von DAVID EISERT

 

Nach dem rockigen Erstling A Different Time In A Different Place haben Yucca aus Nürnberg zunächst den Plattentitel gekürzt. Kurz und knapp Make Up heißt das, wiederum von Oliver Zülch (u.a. Die Ärzte, Slut, Notwist) produzierte, zweite Studiowerk der fünf Franken. Und auch am Gesamtsound hat man geschraubt. Die Gitarren wurden fast völlig in den Hintergrund gedrängt und synthetische Instrumente übernehmen die Führung. Auf die Vorliebe zum britisch geprägten Sound hat dies aber nur wenig Einfluss. War es beim Debüt noch Post-Punk, ist es nun mehr Post-Wave oder Post-Newromantic. Also nicht mehr Joy Division sondern mehr New Order. Nervös-flirrende Synthesizermelodien werden mit tanzbaren Rhythmen unterfüttert. Für Freunde der Retrocomputerklänge eine freudige Angelegenheit, auch die guten alten Elektrodrums finden Verwendung. Handwerklich eine saubere Sache, wenn auch nicht der ganz große Wurf.

 

Dominik Schäfer aka ENIK, Multiinstrumentalist und Soundsammler, geht den umgekehrten Weg und wählt für seinen zweiten Output den geschmeidigen Titel I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece. Jetzt kriegt wenigstens eine Griechin keine kalten Füße mehr, wenn der europäische Fiskus zuschlägt (*ja, ja Sparwitz*). Im Vergleich zum Vorgänger hat ENIK ebenfalls ein wenig Veränderung vorgenommen. Nun soll der Song in der Tradition großer Songwriter wie Dylan, Reed, Cave und Cohen im Vordergrund stehen. Ganz schön anders für jemanden, der bisher im Elektroclashbereich unterwegs war. Wobei sich der 30jährige Münchner nicht alleine mit Gitarre oder Klavier ins Studio gesetzt hat, um leise Lieder aufzunehmen. Es geht nur nicht mehr ganz so sperrig und verzwickt daher. Verwirrend bleibt es allemal.

 

Alte Reviews lesen sich wie ein who is who unterschiedlichster Einflüsse ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Zu den Namen Frank Zappa, David Bowie, Prince, Faith No More, Peter Gabriel, Tom Waits, Giant Sand möchte ich noch Fury In The Slaughterhouse, The Cure (deren Close To Me wird neu interpretiert) und The Stranglers hinzufügen. Irgendein Nu-Metal-Riff ist auch mit am Start, da fällt mir die Kapelle momentan nicht ein. Mit den Freaky Fukin Weirdoz teilt er die Liebe zu übergewichtigen männlichen Models für das Frontcover. Nur, dass der Herr hier am Lutscher schleckt. Was sich nach einem wilden Zusammenkopieren anhört, ist in Wirklichkeit eine sehr gelungene Collage aus unterschiedlichen Stilen. Ähnlich der Arbeitsweise eines Mike Patton. Nichts zum nebenbei hören, denn ENIKs »Kunst lebt von Kontrasten«, wie er selber sagt.

 

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