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Toms Schnellgericht

07.04.2011

Stresstest

Banken und Atomkraftwerke brauchen ihn plötzlich. Wie sieht´s aus mit einem Stresstest für Plattenveröffentlichungen?, fragt sich TOM ASAM.

 

Lange Laufzeit kann man den Schweden von Jeniferever nicht vorwerfen. Seit 2006 veröffentlichen sie – Silesia ist ihr drittes Album. Verspekuliert haben sie sich mit ihrem Programm nicht und sie versprechen dem Hörer auch nichts, was sie nicht einhalten würden. Das nach dem ehemaligen Namen des Berliner Ostbahnhofs betitelte Werk baut auf altbekannte Postrock- Dynamiken, scheut dabei aber im Vergleich zu vielen anderen Bands das nötige Song- und Popelement keineswegs. Kühle Gitarrenwände und warme Gesangsharmonien treffen aufeinander wie Winter und Frühling. Und sind die Übergangszeiten nicht die schönsten? In die Richtung hätten sich Death Cab for Cutie entwickeln können,um den Stresstest zu bestehen.

 

Wenn demnächst (hoffentlich) der ein oder andere Meiler abgestellt wird, drohen die Energieanbieter mit höheren Strompreisen. Sollten wir dann mehr Musik hören, die uns zur Bewegung antreibt, um Heizkosten zu sparen? Dann hätten K-Branding mit ihrem Album Alliance schlechte Karten. Ihre Musik drängt nicht zum Tanz, ist auf ihre Art etwas stressig – aber den Test haben die Belgier trotzdem bestanden! Seit 2005 haben sie sich vor allem als radikale Livetruppe einen Namen gemacht. Improvisation spielt bei K-Branding eine große Rolle. Mit Gitarre, Saxophon, Percussion, Electronics, Synhies und Stimmen sorgen sie für eine beeindruckende Soundscape zwischen Industrial und Ambient. Das Cover zeigt eine düstere Landschaft in der man sich keine Menschen vorstellen kann und das Eröffnungsstück heißt Japaner sein. Die Stimmung passt leider zur düsteren Gegenwart, man möge auf eine katharsische Wirkung hoffen – und eine strahlende Zukunft im positiven Sinne.

 

Inflationsgefahr durch zu viel Phoenix und Phoenix-Verehrer? Schon möglich, aber man hört ja auch nicht immer nach zwei kühlen Hellen das trinken auf, wenn´s grade so gut schmeckt – bloß weil man´s schon kennt. Polock kann man in der Tat als die spanische Antwort auf Phoenix bezeichnen, Sie sind vielleicht etwas weniger verspielt und direkter, aber das Ergebnis ist ähnlich infizierend. Gettin down from the trees gewinnt keinen Originalitätspreis, ist aber eine Laune machende Platte für die nächsten Monate. Eine allzu lange Laufzeit mag allerdings ohne mehr Eigenleistung in Zukunft fraglich sein.

 

Tja, Phoenix verbinden wir jetzt mit Arizona, Frankreich und Spanien, River und was weiß ich noch allem. Glasvegas verheißt natürlich zunächst einen Spagat zwischen Glasgow und Las Vegas. Das heißt: zwischen glitzernder Fassade und Arbeiterstadt, zwischen Pathos und Gitarrenwand. Vor zwei Jahren waren sie einer der großen Indie-Hypes. Doch deren Halbwertszeit ist oft äußerst gering. Mal schauen, was mit Euphoric heartbreak noch überbleibt im Vergleich mit neuen Energiespendern und alten Konkurrenten. Wie etwa denen von The Pains of beeing pure at heart, denen das Anheuern von Produzent Mark Ellis aka Flood (U2, Depeche Mode, Aha, Editors) auf den ersten Höreindruck weniger geschadet hat als den Schotten. Irgendwie fehlt der spröde Charme des Vorgängers. Eher abschalten.

 

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